LERNLUST #3 // Virtual Classroom Trainings

Shownotes
Hosts:
Susanne Dube, Teamlead Learning // LinkedIn
Claudia Schütze, Senior Learning Consultant & Trainerin // LinkedIn
Virtual Classroom: Allein zusammen lernen
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Transkript
[Claudia Schütze]
Lernlust, der Podcast für alles rund ums Thema Corporate Learning.
[Susanne Dube]
Wir sind Claudia Schütze und Susanne Dube und wir sind Learning Consultants bei der tts und wir sind die Hosts dieses Podcastes.
[Claudia Schütze]
Und hier werden wir uns über Themen unseres Arbeitsbereiches miteinander austauschen, also alles, was Lernen in Organisationen heute und in der Zukunft betrifft.
[Susanne Dube]
Und wir werden uns von Zeit zu Zeit interne oder auch externe Experten in unsere Runde einladen.
[Claudia Schütze]
Und wir freuen uns, wenn ihr dabei seid. Hallo Susanne. Hallo Claudia.
Susanne, schön, dass du Zeit hast, mit mir an diesem wunderschönen sonnigen Frühlingsnachmittag gemeinsam auf unserem virtuellen Kaffeeküchensofa zu sitzen. Und jetzt haben wir uns, welches Thema für heute überlegt?
[Susanne Dube]
Wir wollen über virtuelle Klassenraumtraining sprechen und was sie denn gut machen kann.
[Claudia Schütze]
Kann, hast du schön formuliert, super. Susanne, wir haben ein Jahr, mehr als ein Jahr leider Pandemie hinter uns und damit natürlich auch ein Jahr des eigenen Erlebens von virtuellen Trainingsformaten. Wir haben selber trainiert, du, ich, viele unserer Kollegen.
Wir haben teilgenommen an Trainings, wir haben Trainer ausgebildet. Das heißt, wir haben viele, viele Brillen, viele Erfahrungen, viele Perspektiven auf das Thema. Und nach all diesem Erleben.
Wie war das denn, Susanne, was wir in dem Jahr erlebt haben?
[Susanne Dube]
Was mich so ein bisschen gestört hat an der Entwicklung ist, dass ich das Gefühl habe, virtuelles Klassenraumtraining entwickelt sich mehr und mehr in eine Richtung, in der Online-Informations-Sessions gemacht werden, die dann aufgezeichnet werden und dann gesagt wird, das ist Training.
[Claudia Schütze]
Aber wir haben glaube ich im letzten Jahr trotzdem geschafft, mit guten Ideen zu zeigen, warum was anderes besser ist. Wie war es denn für dich, wenn ich dir jetzt die Frage zurückstelle? Ich habe auch vieles erlebt, was gut war.
Ich habe erlebt, dass sich die Dinge verändert und entwickelt haben und auch merke, dass unsere Teilnehmenden viel mehr Lust auf diese Online-Formate in der Zwischenzeit haben. Ist ja auch eine schöne Wahrnehmung. Aber ich habe tatsächlich auch Sachen erlebt, die ich nicht gelungen fand.
Und welche waren das? Naja, ich glaube, es war immer besonders schwierig dann für mich, wenn ein Training, was mal als Präsenztraining, also mit physischer Präsenz, designed war, einfach so in den virtuellen Raum übertragen worden ist. Das fand ich selten gelungen.
Und ich glaube, nach einem Jahr Pandemie können wir auch sagen, wir haben verstanden, unabhängig von Training, man kann die analoge Welt nicht eins zu eins in die digitale übertragen. Und Susanne, das ist jetzt ein Statement von mir. Jetzt ist natürlich erst mal die Frage, stimmst du mir da überhaupt zu?
[Susanne Dube]
Das tue ich auf jeden Fall und zwar insbesondere, weil es ja mittlerweile auch diverse, ich weiß nicht, ob es Studien gibt, aber immer wieder auch Diskussionen gibt, wo man sehr genau natürlich hört, dass die Menschen überfordert sind mit all den Meetings, die Schlag auf Schlag passieren. Und das betrifft uns auch im Lernen. Zoom-Fatig betrifft uns.
Es betrifft uns dieses permanente Denken, dass wir einen Termin nach dem anderen und vielleicht sogar ein Training nach dem anderen machen können. Und daher vielleicht auch mein Blickwinkel auf dieses, ach, wir machen da mal eine Info-Online-Session und zeichnen die auf und dann guckst du dir die später an, wenn ich mir überlege, wie viele Sessions ich mir noch angucken soll. Dann weiß ich nicht, ob das tatsächlich das Ziel erreicht.
Und das sind so diese beiden Extreme, glaube ich, die wir gerade so beschreiben.
[Claudia Schütze]
Ja, in der Tat, glaube ich wirklich. Aber es ist ja gut, dass wir beide da so unterschiedliche Beispiele vor Augen haben und die jetzt so relativ außen an die Enden der Skala wandern. Aber Susanne, jetzt haben wir so ein bisschen gesagt, was wir als mich gut erlebt haben.
Ich habe aber auch gesagt, ich habe viel, viel Gutes, also Angenehmes. Vielleicht ist gut, es ist ja eine Bewertung. Aber für mich als wirkungsvoll und interessant und spannend und lehrreich, unterhaltsam, da gab es eine ganze Reihe Dinge, die ich erlebt habe.
Und ich würde jetzt mal unterstellen, du hast bestimmt auch solche Formate erlebt und mindestens hast du die trainiert. Davon gehe ich mir ganz sicher aus.
[Susanne Dube]
Ich gebe mir zumindest Mühe, ja, hier und da das mal wirklich gut zu machen.
[Claudia Schütze]
Ich kann ja mal einfach so ein bisschen anfangen, mal so abzuarbeiten, was so ein virtuelles Training eben an dem Stand heute, wo wir jetzt stehen mit der Erfahrung zu einem guten virtuellen Training macht. Magst du mal beginnen?
[Susanne Dube]
Klar, jetzt benutze ich wieder das Wort, was du nicht so magst. Ich würde mir wünschen, dass wenn wir ein Training haben, was wir vielleicht vorher sehr kompakt gehabt haben im Klassenraum, dass wir das aufbrechen. Ich sage dazu wie ein Glückskeks.
Und da tatsächlich die Kerne so rausholen, dass wir sie in kleineren Häppchen, in kleineren Einheiten an die Teilnehmenden geben können, damit sie entweder Inhalte vermittelt bekommen, also wo ich dann tatsächlich mal was erzähle, etwas präsentiere in meiner Form oder per Aufzeichnung oder die Teilnehmer etwas mit mir erarbeiten oder etwas, was sie gehört haben, verarbeiten, was sie gesehen haben, verarbeiten oder sogar üben. Also, dass ich einen guten Wechsel hinkriege, aber nicht alles an einem Tag gebündelt, sondern über einen Zeitraum hinweg, einem Wechsel von Methoden und Herangehensweisen, um tatsächlich sich einem Thema zu nähern.
Also, dass wir tatsächlich eher ein Blended-Konzept haben.
[Claudia Schütze]
Okay, das ist spannend, weil Blended ist ja auch kein neuer Begriff. Da haben wir auch schon seit vielen Jahren drüber geredet. Aber ich glaube, es wird heute ein bisschen anders verwendet.
Blended war, glaube ich, früher so die Geschichte, wir kombinieren Klassenraumtraining mit E-Learning oder Web-Based-Training, wie auch immer man es formulieren mag. Und heute ist es, glaube ich, mehr dieser bunte Blumenstrauß an Methoden, den wir darunter verstehen. Würdest du mir dazu stimmen?
[Susanne Dube]
Ganz genau. Und das würde ich eben schon auch sagen. Und es ist halt so ein cleverer Wechsel wirklich zwischen den Live-Online-Sessions und dem Lernen, was der Lerner dann vielleicht außerhalb der Live-Online-Sessions macht.
[Claudia Schütze]
Okay, Live-Online-Sessions, ich glaube, da kann sich jeder von unseren Zuhörerinnen und Zuhörern was darunter vorstellen. Jetzt hast du eben erwähnt, da gibt es noch eine andere Phase, Selbstlernphase. Ich mache das auch in meinen Trainings.
Ich konzipiere auch Live-Online-Sessions, gemixt mit Selbstlernphasen. Warum, Susanne, warum ist das ein gutes Herangehen?
[Susanne Dube]
Ich glaube ganz einfach, das ist ein gutes Herangehen, weil der Teilnehmer immer auch Teile im Training hat, wo er sich mit etwas selbst auseinandersetzen soll. Bei Systemtrainings, das weißt du besser als ich, Claudia, oder? Wenn die Teilnehmer üben, dann entstehen doch Pausen in Trainings.
Und diese Pausen brauche ich nicht.
[Claudia Schütze]
Eigentlich brauchen wir die nicht. Und ich sage mal, in der Zwischenzeit habe ich zwei Lösungsansätze dafür. Es gibt bestimmt noch mehr, aber zwei, die wir jetzt wirklich aktuell praktizieren.
Das eine ist, die Leute üben selber, sodass die kostbare Trainerzeit, also die Live-Online-Session-Zeit mit dem Trainer, nicht für dieses eigenständige Üben verbraucht wird. Und lieber für das, was der Trainer nämlich wofür wertvoll ist, für den Austausch, für das Erklären, für das Schaffen von Kontexten, für das Erklären von Zusammenhängen, dass man ihn lieber dafür benutzt, oder die Trainerin natürlich, oder wir haben jetzt was Neues ausprobiert. Und das finde ich auch nicht schlecht.
Wir üben teilweise tatsächlich doch in den Live-Online-Sessions. Wir schicken sie in zwei- oder dreijährige kleinen Gruppen. Und damit kriegen wir nämlich hin, dass die Leute üben, aber sich austauschen und sich gegenseitig erklären, helfen, Fragen stellen.
Und das, glaube ich, ist auch ein cooles Konzept.
[Susanne Dube]
Genau. Und dann kann man tatsächlich, und das ist ja das Spannende vielleicht, wenn man jetzt Live-Online-Sessions anguckt und Selbstlernphasen, dass wir ja nicht so klar sagen können, ich mache jetzt das eine immer in der Selbstlernphase und das andere immer in der Live-Online-Session. Also, du hast es gerade schön fürs Üben besprochen.
Es gibt bestimmt tolle Sachen, wo ich gar nicht will, dass der Lerner das alleine macht, sondern wo ich es in Teams schicken will. Also, warum das nicht so machen, dass sie dann als Team das auch gleich mit der Großgruppe teilen und ich das sehr gesteuert mache in meiner Live-Online-Session? Und dann gibt es aber vielleicht andere Sachen, die ich gar nicht steuern möchte, wo ich vielleicht Sachen habe, die meine 2-3-Stunden-Session, die ich da vielleicht habe.
Ich würde eher für eineinhalb bis zwei tendieren, weil alles, was nach der zweiten Stunde kommt, ist immer anstrengend.
[Claudia Schütze]
Aber vielleicht, ich berichte dir mal vielleicht aus unseren Erfahrungen. Also, ich mache im Moment tatsächlich eben ausschließlich IT-Trainings im Kontext der Prozesse natürlich. Und da ist teilweise wirklich auch viel Inhalt zu vermitteln und viel Kontext zu erklären.
Und die Anwendungen sind relativ groß eben auch. Und auch die Rolle und der Prozess ist groß, der irgendwie erarbeitet werden muss. Und insofern sind wir in der Zwischenzeit, das will ich jetzt ehrlicherweise sagen, bei drei Stunden Online-Sessions.
Aber wir machen zwei Pausen da drin und versuchen eben wirklich sehr viele aktive Elemente mit einzubinden.
[Susanne Dube]
Ja, ich glaube, also ich denke tatsächlich, dass das auch gute Konzepte sein können. Und das passiert mir tatsächlich auch. Drei Stunden mache ich extrem selten, aber so zweieinhalb Stunden habe ich auch schon gemacht.
Aber was mir halt immer wieder begegnet ist, wenn ich aus den zweieinhalb Stunden rausgehe oder die Teilnehmer aus den zweieinhalb Stunden rausgehen, dann kriege ich auch das Feedback so, jetzt ist es auch gut. Aber das ist bei mir dann auch so. Und deswegen sage ich, ich präferiere die Kürzeren, aber ich verstehe natürlich auch, dass es manchmal die Längeren braucht.
Aber tatsächlich da dann drauf zu gehen und zu akzeptieren, ich bin beschränkt darin und würde vielleicht Sachen rausgehen, die diesen Rahmen sprengen oder die vielleicht darüber hinausgehen würden. Und würde dann stattdessen vielleicht eine Art Lern-Community für dieses Thema gründen oder sowas, wo das dann ausgelagert werden kann.
[Claudia Schütze]
Ja und wenn du so sagst Lern-Communities, weißt du, wir haben ja jetzt gesprochen über Live-Online-Sessions, also synchron haben wir relativ viel jetzt dazu gesehen und ein bisschen eben auch asynchron, dieses Auslagern, dieses Selbstlernen. Aber dieses Lern-Community, das ist so ein tolles Ding, so ein tolles Medium. Das fängt ja eigentlich in diesen asynchronen Lernphasen, jetzt geben wir dem nochmal ein deutsches Wort, also Selbstlernphasen ja eigentlich schon an.
Dass die Leute ja quasi, also die Leute, unsere Teilnehmenden natürlich, dass sie teilweise vielleicht Dinge sich selber erarbeiten, durchlesen oder anschauen von Lernvideos oder vielleicht auch einfach mal eine Umfrage beantworten. Also da gibt es sicher Methoden, die auch alleinige Arbeiten benötigen. Aber es gibt eben auch Möglichkeiten, dass die Teilnehmenden gemeinsam arbeiten in dieser Selbstlernphase.
Und da fängt es doch an, also wenn man es gut macht, dass man anfangen kann, kleine Lern-Communities zu begründen.
[Susanne Dube]
Stimme ich auf jeden Fall zu. Finde ich auch einen richtig wichtigen und guten Punkt, was ich mich tatsächlich immer frage und es gelingt mir halt manchmal sehr gut. Also insbesondere, wenn ich jetzt Trainerausbildungen habe, wo sich die Trainer von sich aus zugebucht haben, funktioniert das sehr gut.
Auch dieses Arbeiten in so einer kleinen, vielleicht ist es schon eine Community, aber dieser kleinen begleitenden Denkwerkstatt, sage ich jetzt einfach mal, also diesem kleinen begleitenden Raum, den wir da schaffen, wo wir dann neben den Live-Online-Sessions sprechen. Und es gibt aber auch andere Trainings, wo ich tatsächlich das Gefühl habe, es funktioniert nicht gut. Tatsächlich merke ich halt, es ist kein Selbstläufer.
Es passiert nicht automatisch, dieses Lern-Community, wir arbeiten miteinander, wir schauen uns vielleicht kleine Videos an und reden von uns aus darüber. Es funktioniert nicht von alleine.
[Claudia Schütze]
Da kann ich dir hundertprozentig zustimmen, Susanne. Und tatsächlich nicht nur aus meiner Trainerinnen-Erfahrung. Ich habe eine Weiterbildung gemacht, wo es eigentlich völlig intrinsisch motiviert, ich Lust darauf hatte.
Ich gebe ehrlich zu, mir ist es auch nicht so leicht gefallen, obwohl ich das ja kognitiv total verstehe, dass es methodisch ein super Prinzip ist, dass es sinnvoll ist. Wir das ja auch empfehlen, aber es ist, und nur deshalb habe ich es jetzt noch mal gesagt, du hast gesagt, es ist kein Selbstläufer und deswegen wollte ich das gerne bestätigen.
[Susanne Dube]
Nein, und jetzt können wir natürlich sagen, ach jetzt rutschen wir wieder in dieses, ach es ist alles so schwierig, aber wir wollen ja darüber sprechen, was macht ein gutes Training, also was braucht es denn, das zu unterstützen und dafür sorgen, dass ein Lerner, dass das eben, oder eine Lernende, das tatsächlich wirklich auch wahrnimmt und wahrnehmen kann.
[Claudia Schütze]
Sag mal, was dir in den Kopf kommt dazu.
[Susanne Dube]
Mir fallen da so viele Sachen zu ein. Also das eine ist tatsächlich natürlich auch den Raum dafür schaffen. Ich bin ja so ein Pragmat, in allem was ich tue.
Als erstes muss ich den Raum dafür schaffen und was bei mir persönlich immer eine Bremse ist, ist, ich muss meine Themen so priorisieren können, dass das Lernen eine hohe Priorität hat und ich mir die Zeit dafür nehme. Also ich muss mir Blocker setzen und manchmal genügt es eben nicht nur, dass ich als Lerner mir die Blocker setze, sondern auch meine Führungskräfte, meine Kollegen müssen davon überzeugt sein, dass ich da dann auch wirklich nicht ansprechbar bin. Das ist etwas, was mir Teilnehmende auch wirklich gesagt haben, dass sie gesagt haben, ja, ich habe mir ja versucht, Blocker zu setzen, aber meine Kollegen haben das nicht respektiert.
Also tatsächlich diesen Raum und Lernzeit zu bekommen.
[Claudia Schütze]
Wir wollten ja so ein bisschen gucken, was haben wir auch in der Hand, was können wir steuern. Also wir gucken ein paar Jahre zurück. Wir haben eigentlich immer zu unseren Trainings ja immer versucht, so einen kleinen Anteil Werben und Motivieren zu verkaufen.
Also auf gut Deutsch die Kommunikation rund um etwas, was Veränderung oder Training ist, mitzuverkaufen. Und ich glaube, das braucht es heute ebenso. Mehr denn je, danke.
Und vielleicht mit ein bisschen einem anderen Zungenschlag, weil jetzt ist vielleicht weniger die Veränderung als solche, also in meinem Kontext der IT oder eines neuen Moduls oder vielleicht auch tatsächlich einer neuen kleinen Lösung, das ist vielleicht gar nicht mehr das, was zwingend das ganz Große ist, sondern jetzt ist es die Kultur, das Lernen. Und dass man da eben wirklich gut für alle, für die Teilnehmenden, aber eben auch für die Führungskräfte erklärt.
[Susanne Dube]
Und eine andere Sache finde ich noch genauso wichtig. Und das ist die, dass ich tatsächlich den Lernenden selbst dazu bringe, zu verstehen, was er selbst erreicht, indem er eben auch die Aufgaben in der Selbstlernphase macht. Und da hilft es mir vielleicht, wenn ich am Anfang mit ihm tatsächlich eine Erklärung gemacht habe.
Was ist dein Ziel für dieses Training? Also was möchtest du erreicht haben am Ende? Dass jeder Teilnehmende sich selbst seine Erwartungen an sich selbst klar macht und guckt, was kann ich aus diesem Training rausziehen?
[Claudia Schütze]
Das ist übrigens etwas, was ich auch so seit, na ja, vielleicht so seit zwei Jahren wirklich versuche, auch in diesen IT-Trainings, wo ja eine klare Agenda vorgegeben ist, umzusetzen. Und jetzt umso mehr in diesen virtuellen Trainings, weil ich eben einfach glaube, dass wir mehr individuelle Förderungsmöglichkeiten bekommen in diesem virtuellen Ansatz. Dass ich wirklich bitte, persönliche Lernziele vorab festzulegen und am Ende des Trainings zu gucken, wie weit bin ich gekommen, was habe ich geschafft und wo gibt es aber vielleicht auch noch was zu tun.
Und man denkt immer so, so ein IT-Training hat eine klare Agenda und damit eben Thema eins Thema zwei, Thema drei und es muss eben gelernt werden. Ich weiß nicht, ob das überhaupt eine sinnvolle Formulierung ist. Es muss am Ende vielleicht gekonnt werden.
Das ist vielleicht viel besser, diese Formulierung. Und damit es gekonnt wird, braucht jeder was anderes. Und wenn wir das anerkennen und dem in den virtuellen Trainings einfach auch nochmal einen anderen Stellenwert geben, indem wir auf diese persönlichen Lernziele beispielsweise als ein Beispiel jetzt nur abstellen, glaube ich, können wir für unsere Teilnehmenden tatsächlich auch viel mehr bewirken als in den traditionellen Klassenraumtrainings.
[Susanne Dube]
Das denke ich auch und da wird mir als Trainierendem dann tatsächlich auch bewusst, dass ich eigentlich nicht mehr nur die Rolle habe, einen Inhalt zu präsentieren oder da irgendwie durchzuführen wirklich, sondern eher zu begleiten. Wenn ich tatsächlich Teilnehmer habe, die für ein Thema, was ich trainiere, ganz verschiedene Sachen sich am Ende rausnehmen wollen, die vielleicht alle sich um das gleiche Thema, um das gleiche IT-System drehen, aber der eine muss halt mehr die Aufgabe A, der andere mehr die Aufgabe B, aber beide die Aufgabe C machen, dann ist es so, dass ich beiden helfe, für ihre Kompetenz, die sie aufbauen können, da tatsächlich ihre Sachen zu üben.
[Claudia Schütze]
Absolut. Ja, stimme ich dir total zu. Und weißt du, wenn man das so nochmal, was du eben so schön erklärt hast, so für jeden ein passendes Angebot zu machen.
Weißt du, wenn wir diese acht Stunden Klassenraumtraining hatten, dann gab es eine Agenda und der einzige Raum, der da war, um individuell zu helfen, zu unterstützen, waren die Pausen. Und die wollen aber die Teilnehmenden zu Recht für sich natürlich auch haben, aber wir Trainer brauchen die irgendwie auch. Und jetzt haben wir die Möglichkeit mit diesen kleinen Sessions, was du ja vorher mit diesen Aufbrechen, mit dem Aufsplitten in kleinere Einheiten, also kurze Sessions hast du ja vorhin erwähnt, mit dem wir machen was gemeinsam, wir machen es alleine.
Und in diesem Mix haben wir die Möglichkeit, auf die Fragen der Teilnehmenden viel individueller einzugehen und damit viel besser zu fördern, für das, was die Leute brauchen und das tun, was man sich wahrscheinlich von uns wünscht, nämlich Ermöglichungsrahmen zu schaffen, in dem jeder das lernen kann, zumindest in einem möglichen Rahmen, was jetzt für ihn oder sie einfach dran und wichtig ist.
[Susanne Dube]
Und wenn wir das ganz mutig zu Ende denken, dann sind die Live-Online-Sessions dann nicht etwas, wo ich mir ein Ziel setze, ein bestimmtes Thema zu präsentieren oder zu besprechen, sondern wo ich einfach den Faden zusammenhalte, die Gruppe nochmal zusammenbringe und dann tatsächlich nochmal den Austausch direkt fördere und vielleicht den Rahmen spanne, um quasi dieses Blended-Konzept, was ich da habe. Ich glaube tatsächlich, Claudia, was ich dazu brauche, ist nicht nur eine Idee und der Wunsch, bestimmte Formate zu machen, sondern ich brauche clevere Methoden.
Ich brauche passende Tools, die ich dafür nutzen kann. Und das ist vielleicht auch etwas, was den Gedanken bei Training immer ein bisschen schwierig macht. Denke ich jetzt von meinem Inhalt her und suche mir die passenden Tools da zu Hause oder habe ich ein Tool vorgegeben und versuche mein Training in dieses Tool.
[Claudia Schütze]
Das sind vielleicht doch nochmal zwei kleine unterschiedliche Ebenen, die du eben angerissen hast. Das eine ist das Tool, in dem das Training selber stattfindet, wenn ich das richtig verstanden habe. Und das andere sind nachher die kleinen methodischen Tools, die ich nutze, um bestimmte Sachen umzusetzen.
Und ich erinnere mich, dass du mir ja relativ viel und ausführlich erzählt hast von diesen Teams-Live-Events-Sessions. Und dass das ja so ein völlig neues Format ist mit völlig neuen Möglichkeiten, aber eben auch Einschränkungen.
[Susanne Dube]
Eher Unmöglichkeiten. Du brauchst ein komplett neues Denken von Training, wenn du das wirklich für Training einsetzen willst. Denn dafür ist es nicht gedacht, glaube ich.
[Claudia Schütze]
Und ich meine, erinnere dich mal, wir haben seit, wir uns mit virtuellen, wir haben es immer genannt, Klassenraum-Tools beschäftigen. Die heißen heute nicht mehr alle so, aber damit unsere Zuhörerinnen und Zuhörer wissen, was wir so im Kopf haben. Da war zum Beispiel ein absolut entscheidendes Kriterium für uns.
Kann dieses Tool Kleingruppen? Nach unserem Verständnis vielleicht eben ein Element, was eine wertvolle Methodik ermöglicht.
[Susanne Dube]
Ja, und dann ist man zum Beispiel bei IT-Trainings halt gezwungen, Sachen in die asynchrone Phase, in die Selbstlernphase zu geben, die du ja so gezielt und gut als Partnerarbeit in die Breakout-Sessions gelegt hast. Also wenn wir jetzt von IT-Trainings her denken. Und das ist das, was ich meine, wirklich zu überlegen, welche Tools brauche ich oder bin ich an ein Tool gebunden und muss schauen, wie ich dort die Inhalte drin machen kann und wie mutig kann ich dann innerhalb dieses Tools sein.
Und vielleicht auch noch mal zur Einordnung, warum habe ich dir von Teams-Live-Events erzählt? Weil wir gebeten worden sind, ein Training da drin zu machen. Wir haben uns wirklich viel Gedanken gemacht, was da überhaupt möglich ist und was nicht.
[Claudia Schütze]
Jetzt zu dem Thema Methoden und Tools würde ich vielleicht ganz gerne noch mal sagen, ja, mit überlegen, was das Tool mir an Möglichkeiten gibt, aber nicht Tools, um der Tools-Villen auszuprobieren.
[Susanne Dube]
Tatsächlich haben sich die Tools ja auch insofern entwickelt, dass man jetzt eine schöne Auswahl hat. Das hatten wir vorher nicht. Das ist unglaublich, was sich da gedreht hat im letzten Jahr, was plötzlich für Entwicklungen gegeben hat bei den Virtual Classroom-Tools, aber natürlich auch bei den Begleit-Tools, also sei es, um irgendwelche Umfragen zu machen, sei es virtuelle Pinboards, virtuelle Whiteboards.
Man hat da viele, viele Möglichkeiten, mehr Möglichkeiten, als wir das vielleicht noch vor fünf, sechs Jahren hatten. Und das macht wirklich Spaß und ich wünsche mir eigentlich, dass wir das auch weiter nutzen können, weil ich glaube, wir können mittlerweile mit den Methoden und Tools, die es gibt, wirklich gute virtuelle Klassenraum-Trainings machen, wenn wir uns darauf einlassen und wenn wir auch bereit sind, unsere neue Rolle, die als Lernbegleiter oder vielleicht auch als kleiner Producer von Videos oder von Podcasts tatsächlich, wenn wir diese Rolle wahrnehmen und gucken, wie können wir sie gewinnbringend für den Lernenden einsetzen.
[Claudia Schütze]
Ja, das stimmt. Und weißt du, jetzt Methode so am Rande, fällt mir noch eine letzte Sache ein. Wir haben jetzt ganz viel über Synchronen und Asynchronen gesprochen und die Tools ermöglichen uns heute auch was, was wir hoffentlich dann auch später, wenn wir wieder ein bisschen in die Welt der Präsenztrainings sicher zurückkehren werden, beibehalten sollten.
Und das ist, diese Lernräume zu nutzen, in denen die Lernenden sich austauschen können. Also, wo Lern-Zirkel, Lern-Gruppen, Lern-Communities sich finden können und über das Training hinaus weiterhin Austausch bleiben können. Und das, würde ich sagen, wäre eine totale Bereicherung für jedes Klassenraum-Training.
Also, insofern, das ist mit Sicherheit eine tolle Sache, die wir unbedingt weiterleben lassen sollten.
[Susanne Dube]
Genau. Und eine Sache, wo ich gerade eine Entwicklung sehe, wir können ja heutzutage, dadurch, dass wir die Sachen virtuell machen, vieles aufzeichnen, besser festhalten. Und es gibt auch so Aufzeichnungen, die geben uns nochmal ganz neue Möglichkeiten zum Denken, auch von Trainings, weil ich tatsächlich dann überlegen kann, ich nehme vielleicht mal etwas und mache das Webinar, ich habe eine Präsentation und wer live da war, hat Glück gehabt, darf eine Frage stellen und die anderen können sich aber eine Aufzeichnung angucken.
Und ich habe dann danach vielleicht den Rahmen mit Question-and-Answer-Sessions oder kleinen Workshops, wo ich das dann aufgreife, was da initial präsentiert wurde. Das heißt, hier geben sich ja auch nochmal neue Möglichkeiten, die auch dem Lernenden die Möglichkeit geben, das in seine Arbeitswelt weiter reinzutragen. Wenn ich ein Thema jetzt nicht habe, ich habe ein IT-System gelernt und es dauert noch ein bisschen bis zum Rollout und dann poppen die Fragen auf, dann gucke ich mir das vielleicht nochmal an.
Also, da gibt es so viele kleine Spielzeuge, die gut kombiniert ein tolles Lernerlebnis unterstützen können.
[Claudia Schütze]
Absolut, Susanne. Und weißt du, wenn ich das alles jetzt auch nochmal ein bisschen Revue passieren lasse, was wir uns jetzt so ausgetauscht haben, ich finde viel, viel Vorteilhaftes an diesen virtuellen Trainings. Aber ein bisschen freue ich mich auch darauf, wenn die Präsenztrainings zurückkommen.
Aber weißt du, nicht aus dem Grund, um jetzt wieder im Klassenraum zu stehen, sondern um diesen neuen Mix dann auszuprobieren. Weil da müssen wir wieder auf die Suche gehen und sagen, was funktioniert, was ist eine supergute Ergänzung, was ist aber vielleicht auch Nonsens, das dann zu integrieren. Und vielleicht, weiß ich nicht, vielleicht haben wir im halben Jahr die Chance, hinzugucken, was ist ein gutes hybrides Training.
Weil an dem Punkt werden wir vermutlich in einem halben oder dreiviertel oder spätestens in einem Jahr stehen. So, und ich glaube, das sollte auch das Schlusswort für heute sein, Susanne. Mir hat es Spaß gemacht mit dir.
Ich glaube, wir haben ein paar Kernessenzen zusammengetragen. Hoffen, dass ihr unsere Zuhörerinnen und Zuhörer Spaß hattet und hoffentlich vielleicht auch das eine oder andere neue als Impuls von uns bekommen habt. Und ja, schreibt uns gerne, was eure Meinung zu unseren Ideen und Meinungen ist.
Und ich würde sagen, für heute sagen wir einfach vielen Dank fürs Zuhören und bis bald.