„Don’t panic – but don’t sleep on it“
Mit der Integration von SmartRecruiters in die SAP-Welt stehen viele HR-IT- und Recruiting-Verantwortliche vor neuen Fragen. Bestehende SAP-SuccessFactors-Recruiting-Kunden haben keinen akuten Handlungsdruck, sollten sich aber frühzeitig orientieren. Smart Recruiters positioniert sich als moderne, standardisierte Recruiting-Lösung mit starker User Experience, hoher Automatisierung und klaren Best-Practice-Prozessen. Der Artikel ordnet ein, für welche Organisationen ein früher Wechsel sinnvoll sein kann – und wo Abwarten die bessere Entscheidung ist. Das Fazit: Ruhe bewahren, informiert bleiben und den eigenen Entscheidungsraum bewusst gestalten.
Die Ankündigung, dass SmartRecruiters Teil der SAP-Welt wird, hat viele Organisationen aufhorchen lassen. Seitdem ist viel Bewegung im Markt – und ebenso viele Fragen entstehen rund um Roadmap, Wechseloptionen und die konkrete Bedeutung für bestehende SAP-SuccessFactors-Kunden. In unserer „Ask the Expert“-Reihe sprechen wir mit Cornelia Schäfer, SAP-SuccessFactors-Beraterin mit Fokus Recruiting, EC und Analytics, sowie Lesley-Ann Stenzel, IT-Consultant im Recruiting-Umfeld. Beide begleiten Kunden aktuell sehr nah in der Einordnung dieser Entwicklung.
[Hinweis: Der Text wurde für die schriftliche Veröffentlichung leicht angepasst und überarbeitet]
Einordnung für HR-IT & Recruiting im DACH-Raum
Frage:
SmartRecruiters ist Teil der SAP-Welt geworden. Seitdem scheint das Thema eher an Fahrt aufzunehmen als ruhiger zu werden. Wo stehen wir aktuell – und wie sieht aus eurer Sicht die weitere Reise aus?
Lesley-Ann:
Wir stehen aktuell relativ klar da. Es gibt die bestehende Recruiting-Lösung von SAP SuccessFactors, und es gibt SmartRecruiters, das nun zu SAP gehört. Beide Lösungen existieren parallel und werden genutzt. Wichtig ist: Es gibt keinen End-of-Life-Termin für das bestehende Recruiting-Modul. Gleichzeitig wird sehr deutlich kommuniziert, dass SmartRecruiters die zukünftige strategische Lösung im SAP-Recruiting-Umfeld ist. Das ist aus meiner Sicht der aktuelle Stand in Kurzform.
SAP SmartRecruiters & SAP SuccessFactors: Was ist Fakt – und was nicht?
Frage:
Rund um das Thema gibt es viele Diskussionen – teilweise auch Verunsicherung. Was ist heute wirklich Fakt, und was wird vielleicht größer diskutiert, als es ist?
Cornelia:
Fakt ist: Langfristig bewegt sich SAP klar in Richtung SmartRecruiters. Fakt ist aber auch: Bestehende SAP-SuccessFactors-Recruiting-Kunden müssen nicht kurzfristig wechseln. Das bestehende System wird weiter betrieben und unterstützt. Es gibt keinen akuten Handlungsdruck.
Was aktuell oft für Unruhe sorgt, ist die Annahme, man müsse sofort reagieren. Das stimmt so nicht. SAP lässt den Kunden bewusst Zeit, entwickelt Integrations- und Migrationsszenarien und geht hier sehr bedacht vor.
Lesley-Ann:
Und man darf nicht unterschätzen, wie schnell sich SmartRecruiters selbst weiterentwickelt. Das Unternehmen arbeitet sehr effizient und modern. Vieles passiert gerade im Hintergrund, und wir werden in den nächsten Monaten deutlich mehr Klarheit bekommen. Ich bin überzeugt, dass sich damit auch ein Teil der aktuellen Unsicherheit legen wird.
Es gibt keinen End-of-Life-Termin – Unternehmen haben Zeit, sich mit SmartRecruiters in Ruhe auseinanderzusetzen.
Warum SAP auf SmartRecruiters setzt – eine strategische Perspektive
Frage:
Warum macht die Integration von SmartRecruiters aus SAP-Sicht strategisch Sinn?
Cornelia:
SAP reagiert damit auf Kundenanforderungen. Die bestehende Recruiting-Lösung war lange stabil und leistungsfähig, erfüllt aber nicht mehr in allen Bereichen die heutigen Erwartungen an User Experience, Automatisierung und Kandidatenorientierung.
Statt diese Lösung komplett neu zu bauen, hat SAP sich am Markt umgesehen und mit SmartRecruiters eine etablierte, moderne Lösung gefunden, die diese Anforderungen bereits erfüllt. Das ist ein Ansatz, den SAP auch aus anderen Bereichen kennt.
Lesley-Ann:
Genau. Es ist letztlich eine klassische Abwägung: Investiere ich massiv in eine bestehende Lösung oder integriere ich ein Produkt, das sich am Markt bewährt hat? SmartRecruiters ist schnell, intuitiv und sehr kundenorientiert. Aus dieser Perspektive ergibt die Entscheidung absolut Sinn.
Grenzen des bisherigen Recruiting-Ansatzes
Frage:
Wo lagen aus eurer Sicht die Grenzen des bisherigen Recruiting-Ansatzes, die jetzt adressiert werden?
Cornelia:
SmartRecruiters bringt mehrere Stärken mit, die aktuell sehr gefragt sind: eine moderne User Experience für Recruiter, Manager und HR, hohe Automatisierung, integrierte KI-Funktionen und eine sehr starke Candidate Experience.
Gerade die einfache Kommunikation mit Kandidat:innen, Terminvereinbarungen und Transparenz im Prozess sind Punkte, die viele Kunden heute erwarten – und die Smart Recruiters sehr gut abbildet.
Lesley-Ann:
Für mich ist ein entscheidender Punkt die Nutzerfreundlichkeit. Man öffnet das System und versteht intuitiv, was man tun kann. Das klingt banal, macht aber im Alltag einen riesigen Unterschied – gerade in größeren Organisationen.
SmartRecruiters im Vergleich: Standardisierung statt maximalem Customizing
Frage:
Viele sagen: SmartRecruiters fühlt sich nicht wie ein klassisches SAP-Produkt an. Woran liegt das?
Lesley-Ann:
Vor allem an der Geschwindigkeit und an der klaren UX-Orientierung. Es gibt weniger Individualisierung, dafür sehr klare Konfigurationsmöglichkeiten innerhalb von Best-Practice-Prozessen.
Cornelia:
Genau. Im Vergleich zu SuccessFactors, wo sehr viel individualisiert werden kann, setzt SmartRecruiters stärker auf Standardisierung. Layout, Prozesse und Logik sind bewusst vorgegeben. Das kann zunächst ungewohnt sein, reduziert aber Komplexität. Gerade für Organisationen, die ohnehin über Vereinheitlichung nachdenken, ist das ein Vorteil.
SmartRecruiters ist keine Pflichtentscheidung, sondern eine neue Option im Entscheidungsraum.
Erste Erfahrungen aus Pilot- und Kundenprojekten im DACH-Raum
Frage:
Was hört ihr aus ersten Pilot- und Kundenprojekten?
Lesley-Ann:
Wir haben uns früh mit Kunden ausgetauscht, die SmartRecruiters bereits nutzen. Das Feedback ist sehr positiv: Entlastung im Screening, hohe Kandidatenorientierung und insgesamt ein moderner Prozess, der für beide Seiten gut funktioniert.
Cornelia:
Häufig genannt werden auch der Netzwerk-Charakter des Systems, die einfache Kommunikation und das schnelle Enablement. Viele Funktionen, die früher als Zusatzmodule kamen, sind hier bereits im Standard enthalten. Auch die API-basierte Architektur wird von IT-Seite sehr geschätzt.
Müssen sich bestehende SAP-Recruiting-Kunden Sorgen machen?
Frage:
Müssen sich bestehende SAP-Recruiting-Kunden aktuell Sorgen machen?
Cornelia:
Ganz klar: Nein. Bestehende Kunden können stabil weiterarbeiten. Es gibt keine Verpflichtung zum Wechsel. Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich mit der zukünftigen Entwicklung auseinanderzusetzen und informiert zu bleiben.
Lesley-Ann:
Man sollte realistisch sein: Der Fokus wird sich stärker auf SmartRecruiters verlagern. Aber das heißt nicht, dass man sofort handeln muss.
Für welche Organisationen im DACH-Raum ein Wechsel sinnvoll sein kann
Frage:
Für wen ist ein Wechsel heute sinnvoll – und wer sollte eher abwarten?
Lesley-Ann:
Sinnvoll ist SmartRecruiters vor allem für Organisationen mit klaren, standardisierten Prozessen, die Best Practices nutzen wollen und schnell produktiv sein möchten. Auch Early Adopter, die bewusst vorne dabei sein wollen, profitieren.
Cornelia:
Abwarten sollten eher Unternehmen mit sehr komplexem Customizing oder stark regulierten Sonderprozessen. Für sie ist es sinnvoll, die weitere Entwicklung und Integration in die SAP-Welt noch zu beobachten.
Weniger Individualisierung bedeutet nicht weniger Qualität – sondern oft weniger Komplexität und bessere Entscheidungen.
Recruiting-Zukunft im DACH-Raum: Orientierung statt Aktionismus
Frage:
Die Frage zum Abschluss, was passt besser zur jetzigen Situation: „Don’t panic“ oder „Don’t sleep on it“?
Cornelia:
Beides. Kein Grund zur Panik – aber es wäre ein Fehler, das Thema komplett zu ignorieren.
Lesley-Ann:
Genau. Don’t panic. Aber der größte Fehler wäre, darauf zu schlafen.
Fazit: Jetzt informieren
SmartRecruiters ist keine Pflichtentscheidung, sondern eine neue Option im Entscheidungsraum. Für HR-IT- und Recruiting-Verantwortliche im DACH-Raum bedeutet das: ruhig bleiben, informiert bleiben und die eigenen Prozesse reflektieren. Don’t panic – but don’t sleep on it.