Digitale Transformation: Fünf zentrale Erfolgsfaktoren

Der Hype um die digitale Transformation ist ungebrochen. Viele assoziieren mit dem Begriff die Digitalisierung schlechthin, doch wer die beiden Bezeichnungen gleichsetzt, hat nichts verstanden. Nur wer die Unterschiede kennt, kann die für die digitale Transformation benötigten Kompetenzen entwickeln und Erfolgsfaktoren für das eigene Unternehmen definieren. Die Checkliste am Ende des Textes unterstützt Sie dabei.

Der Begriff digitale Transformation wird so oft verwendet wie kaum ein anderer. An der Umsetzung derselben hapert es allerdings fast genauso häufig. Die Ursache: Die Meinungen darüber, was sich hinter diesem Begriff verbirgt, gehen weit auseinander. Für manche handelt es sich einfach um ein Buzzword – gut fürs Marketing, aber eben schwer zu definieren. Andere verwenden digitale Transformation und Digitalisierung synonym. Ein Trugschluss, mit dem sich viele Unternehmen einen erfolgreichen digitalen Wandel verbauen.

Was bedeutet Digitalisierung?

Bei der Digitalisierung geht es primär um die Implementierung von digitalen Technologien in aktuelle Prozesse und bestehende Geschäftsmodelle – ganz gleich ob in einem Konzern, einem mittelständischen Unternehmen oder einer kleinen Firma. Moderne Kommunikations- und Informationstechnologien sollen helfen, effektiver und effizienter Werte zu schaffen.

Ist die Rede von Digitalisierung im Unternehmen unterscheidet man zwischen der Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Geschäftsmodellen:

  • Digitale Dokumente und Formate
    Produkte wie Papierdokumente lassen sich zum Beispiel durch Einscannen digitalisieren. Auch Dienstleistungen können als digitale Angebote bereitgestellt werden. So laufen Weiterbildungskurse oder Meetings, die bisher als Präsenzveranstaltungen stattgefunden haben, nun digital über Collaboration-Tools wie MS Teams. Auf allen Ebenen vereinfachen digitale Formate und Technologien das Handling und sparen Zeit sowie Kosten.
  • Veränderte Prozesse
    Zugleich revolutionieren digitale Formate und neue IT-Systeme die Abläufe im Unternehmen. Bewährte Prozesse wie zum Beispiel die Auftragserfassung werden mithilfe der Digitalisierung völlig neu gedacht. Neues Denken erfordert jedoch neue Wege. Statt per Post, Fax oder E-Mail werden Bestellungen heute mehr und mehr über Apps oder in Onlineshops getätigt.
  • Revolutioniert Geschäftsmodelle
    Die Digitalisierung hat das Potenzial, nicht nur einzelne Abläufe, sondern ganze Geschäftsmodelle infrage zu stellen. Mit neuen Technologien wie Cloud Computing oder Big-Data-Technologien können sich Unternehmen neben neuen Vertriebswegen auch digitale Services erschließen. Plattform-Unternehmen etwa, die Waren, Immobilien und Dienstleistungen digital anbieten, können ganze Branchen revolutionieren, und digitale Unternehmen, sogar Startups, sind in der Lage, Platzhirschen den Markt streitig machen.

Die Digitalisierung ist ein Vehikel

Aus dem oben Gesagten wird klar: Die Wirkkraft der Digitalisierung ist mächtig, denn sie triggert ein neues Denken und regt an, alte Muster zu hinterfragen. Doch die digitale Entwicklung wird nicht allein von internen Rahmenbedingungen angetrieben, sondern auch von externen Faktoren wie der Corona-Krise.

Wichtig ist auch, sich bewusst zu machen, dass die Digitalisierung zwar digitale Geschäftsmodelle ermöglicht, selbst aber keines ist. Digitalisierung und digitale Technologien sind lediglich Vehikel, um bestimmte Ziele zu erreichen. Jede Firma muss für sich den richtigen Weg und die passende Strategie finden.

Die digitale Transformation – ein fortlaufender Prozess

Hier kommt der Begriff der digitalen Transformation ins Spiel. Digitale Transformation meint mehr als die bloße Digitalisierung von Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen. Sie bezieht alle Aspekte des Geschäfts mit ein: Kundenbedürfnisse, Produkte, Markt und die New Economy. Die Autoren einer europäischen Studie zur digitalen Transformation in der Industrie geben folgende Definition: „Digitale Transformation verstehen wir als durchgängige Vernetzung aller Wirtschaftsbereiche und als Anpassung der Akteure an die neuen Gegebenheiten der digitalen Ökonomie.“ Folglich handelt es sich bei der digitalen Transformation um einen fortlaufenden Prozess mit disruptivem Charakter, der weit über die Bedeutung von Digitalisierung hinausreicht. Die Digitalisierung ist nur ein Teilaspekt der digitalen Transformation, gewissermaßen in sie eingebettet.

Unternehmen sollten ihren Blick also weiten und sich nicht auf die Digitalisierung und die Implementierung digitaler Technologien beschränken, sonst droht ihnen, wovor der studierte Elektro- und Nachrichtentechniker und heutige Manager Thorsten Dirks schon vor Jahren warnte:

„Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie hinterher einen scheiß digitalen Prozess!“

Zuweilen wird die Idee der digitalen Transformation auch noch weiter gefasst – über den Unternehmenskontext hinaus. Ganz allgemein ist dann die Rede von digitaler Transformation als fortlaufendem Veränderungsprozess von Gesellschaft und Wirtschaft. In Anlehnung an die industrielle Revolution wird sie auch als digitale Revolution oder digitaler Wandel bezeichnet. 

Wie die Transformation gelingt: Fünf Erfolgsfaktoren

Die digitale Transformation führt dann zum Erfolg, wenn Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle auf Basis der oben zitierten Definition verstanden und im täglichen Business umgesetzt und angewendet werden. Damit das gelingt, bedarf es bestimmter Kompetenzen und Voraussetzungen, also bestimmter Erfolgsfaktoren. Fünf sind hierfür zentral:

  1. Changeability
  2. Innovationskraft
  3. Fach- und Methodenkompetenz
  4. Zusammenarbeit
  5. Datenkompetenz

1. Changeability – eine echte Chance

Eine zentrale Frage lautet: Wie steht es um die Veränderungskompetenz im Unternehmen? Wer es mit der digitalen Transformation ernst meint, muss die Organisation in den Blick nehmen, einen strukturellen und systemischen Veränderungsprozess anstoßen und dabei die Mitarbeitenden mitnehmen. Aber sind sie auch ausreichend informiert? Und vor allem: Sind sie zum Wandel bereit?

Entscheidend für eine erfolgreiche Transformation ist, das Interesse an Neuem zu wecken und ein entsprechendes Mindset unter den Mitarbeiter:innen zu schaffen. Damit das gelingt, ist das Unternehmen als Ganzes gefordert. Dabei können verschiedene Rollen und Aspekte positive „Treiber“ sein: das Management, die Unternehmenskultur, die Mitarbeiter:innen selbst, die Innovationskraft sowie die Agilität der Organisation.

Check it: Wie Sie Neugierde und Veränderungsbereitschaft pushen können

  • Wie reagieren wir auf Veränderungen, und was müssen wir verbessern?
  • Inwieweit können uns Organisation und Unternehmenskultur dabei unterstützen?
  • Mit welchen Maßnahmen und Anwendungen können wir unsere Mitarbeitenden in puncto Changeability besser unterstützen?
  • Was kann die Unternehmenskommunikation dazu beitragen?

2. Innovationskraft – neue Wege erkennen und gehen

Die digitale Transformation bedeutet Wandel, Aufbruch in digitales Neuland. Daher ist es wichtig, Innovationen gezielt voranzutreiben und auch zu wissen, in welche Richtung die Veränderungen gehen müssen und wie sie zu erreichen sind. Das erfordert Kreativität, Ideenreichtum und den Mut, visionär zu denken und sich Neues vorzustellen, bevor es in die Praxis umgesetzt wird. Daneben ist Ausdauer gefordert, denn es geht darum, alte Abläufe, überholte Strukturen und veraltete digitale Infrastrukturen der Organisation aufzubrechen und neu zu definieren. Wie bei einer Expedition muss dabei manchmal auch Neuland betreten werden, und neue Wege brauchen möglicherweise innovative, vorher noch nie erprobte Methoden, Technologien und Strategien. Dies unterstreicht wiederum die Bedeutung der Innovationskraft für eine erfolgreiche digitale Transformation.

Check it: Wie Ihr Unternehmen die Innovationsfreude fördern kann

  • Welche Rolle spielt Innovation beim Aufsetzen interner Prozesse, und wie agil reagieren wir auf Marktveränderungen?
  • Wie innovationsfreundlich sind Strategie und Unternehmenskultur, und was können wir verbessern?
  • Welche agilen und neuen Methoden und Technologien sind geeignet, um die Innovation im Unternehmen weiter voranzutreiben?
  • Wie innovationsfreudig sind unsere Mitarbeiter:innen? Verfügen sie über die geforderten Informationen und Kompetenzen?

3. Fach- und Methodenkompetenz – ein schneller Know-how-Transfer ist Pflicht

Die Digitalisierung verändert Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle. Für die Mitarbeiter:innen, die damit neue Aufgaben und Rollen erhalten, ist diese Entwicklung eine echte Herausforderung. Sie sind die Player:innen in den täglichen Abläufen und diejenigen, die die neuen, digitalen Technologien  anwenden. Das bedeutet: Sie sind in einen laufenden Lernprozess einzubinden, da sich das Unternehmen ständig den sich wandelnden Marktverhältnissen anpassen muss.

Damit steigt zugleich die besondere Bedeutung der Fach- und Methodenkompetenz. Die Mitarbeiter:innen sollten in der Lage sein, sich Fachwissen schnell anzueignen. Dafür benötigen sie die richtigen Methoden und Tools, und sie müssen wissen, wie sie diese nutzen. Hier ist das Management gefragt, das der Belegschaft dafür die passenden Angebote bereitstellen muss.

Check it: Wie Sie das Lernen auf eine neue Stufe heben können

  • Welche neuen Fach- und Methodenkompetenzen benötigen wir im Unternehmen?
  • Über welche Fach- und Methodenkompetenzen verfügen meine Mitarbeitenden bereits?
  • Wie können wir die Mitarbeiter:innen gezielt weiterbilden, um die im Unternehmen benötigte Fach- und Methodenkompetenz zu erreichen?
  • Mit welchen digitalen Anwendungen, Methoden oder Plattformen können wir dies am besten umsetzen?

4. Zusammenarbeit – sich mit anderen vernetzen

Schwierige Wege geht man nicht allein. Das gilt auch bei der digitalen Transformation. Von daher ist es entscheidend, sich als Unternehmen der eigenen Stärken und Kompetenzen bewusst zu sein, gleichzeitig aber auch die eigenen Grenzen zu kennen und zu wissen, wann externe Unterstützung ratsam ist. Es gibt für alles Fachleute, auf die ein Unternehmen jederzeit zurückgreifen kann. Dies spart Zeit und Geld. Im Idealfall kann eine Partnerschaft das Zünglein an der Waage sein, um im Wettbewerb die Nase vorn zu haben.

Check it: Wie Sie von einer Partnerschaft profitieren können

  • Welche Kompetenzen und Fähigkeiten haben wir, und welche sollten wir zusätzlich aufbauen?
  • Für welche Leistungen benötigen wir externe Unterstützung, und inwieweit lohnt es sich, eine längere Partnerschaft aufzubauen?
  • Welche Form von Partnerschaft ist geeignet, und was sollten die Partner:innen leisten?

5. Datenkompetenz – die richtigen Quellen finden und lesen

Die digitale Transformation hört nie auf. Das Unternehmen muss sich immer wieder auf den Prüfstand stellen, dabei den Markt im Blick haben und sich ständig neu an den gewachsenen Ansprüchen und Bedürfnissen ausrichten. Dazu sind Daten nötig – und zwar die richtigen. Diese müssen erhoben, analysiert und anschließend auch richtig gedeutet werden. Welche Daten wichtig sind, variiert von Unternehmen zu Unternehmen. Dies können Daten aus der Produktion sein, die dazu dienen, den Fertigungsprozess digital zu verbessern. Oder auch Kundendaten, mit denen Produkte digital weiterentwickelt und verbessert werden können.

Check it: Wie Sie das Optimale aus Ihren Daten herausholen können

  • Welche Daten haben strategischen Wert für die Umsetzung unserer Projekte?
  • Welche Daten sind im Unternehmen bereits vorhanden und welche Informationen generieren sich hieraus?
  • Wie lassen sich Datenlücken schließen?
  • Welche Auswertungsprozesse haben wir bereits etabliert, und wie nutzen wir die Daten gewinnbringend für die digitale Weiterentwicklung?

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Digitalisierung ist ein Vehikel, um die digitale Transformation zu ermöglichen. Richtig verstanden und umgesetzt, können digitale Technologien ein Unternehmen den entscheidenden Schritt nach vorne bringen und es zukunftsfähig machen, vor allem, wenn sie Bestandteil einer strategischen Transformation sind. Hierfür bedarf es jedoch auch einer mentalen Transformation. Erst wenn ein Unternehmen diese sicherstellt, ist es für den Weg in eine erfolgreiche Zukunft auch langfristig gerüstet.