Freedom vs. Frame

Wie gelingt HR-Transformation in überregionalen Unternehmen? Wie viele zentrale Vorgaben, wie viel lokale Freiheiten benötigen die einzelnen Standorte? Auf der Suche nach einer Balance zwischen Zentralisierung und Autonomie.

Disclaimer: Der ungekürzte Originalartikel wurde am 23.5.22 in HR Today veröffentlicht (https://www.hrtoday.ch/de/article/rahmen-geben-ohne-einzuschraenken)

Was ist nötig, damit die digitale HR-Transformation gelingt? Eine der Herausforderungen ist die Neuaufstellung und Reorganisation von unternehmensweiten Strukturen und Prozessen. Unterstützt von intelligenten IT-Systemen können diese je nach Verantwortlichkeit zentral vorgegeben oder aber auch lokal gesteuert werden – eine schwierige Balance.

Drei Punkte, die Sie bei Ihren Entscheidungen beachten sollten:

1. So zentral wie nötig, so frei wie möglich?

Wann macht es Sinn, Abläufe und Entscheidungen zentral über die Dachorganisation festzulegen – und wann sollten sie an den einzelnen Standorten unabhängig getroffen werden können? Zu den Verantwortlichkeiten, die typischerweise organisationsübergreifend geregelt werden, gehören etwa ein Talent Management oder die Einführung einer Job-Architektur. Themen wie Recruiting, Arbeitsrecht oder Lohnverarbeitung hängen stattdessen von der örtlichen Gesetzgebung ab – und sollten daher auch bevorzugt lokal umgesetzt werden.

2. Transparente Kommunikation

Wenn die digitale Transformation nachhaltig erfolgreich sein soll, ist eine abgestimmte Kommunikation das A und O. Denn ob ein neues IT-System, Prozesse oder Governance-Richtlinien eingeführt werden: regelmäßig entscheidet der offene Austausch zwischen den verschiedenen Stakeholdern von globalen und lokalen Einheiten über den langfristigen Erfolg oder Misserfolg des Vorhabens. Eine solche Kommunikation inklusive Transparenz über gefällte Entscheide und Vorgaben sollte kulturell gefördert und gefordert werden. So erhält das Projekt entsprechende Priorität, die Glaubwürdigkeit des gesamten Change-Prozesses steigt und Insellösungen werden aufgrund von Unzufriedenheit vermieden.

3. Die Zukunft im Blick oder: kontinuierliche Befähigung

Digitalisierung ist ein offener Prozess. Umso wichtiger ist es, neben der technischen Umsetzung eines konkreten Projekts die langfristige Einbettung der neuen Prozesse und IT-Systeme im operativen Alltagsgeschäft mitzudenken. Eine zentrale Rolle nehmen hier die Mitarbeitenden ein. Denn erst ihr Verständnis und ihre Sicherheit im Umgang mit veränderten und neuen Strukturen und Aufgaben schaffen Umbruch und angestrebten Mehrwert.

Die unterschiedlichen Perspektiven vermitteln ein Bild davon, wie komplex und fallspezifisch die Antworten ausfallen können. Den einen Erfolgsfaktor für die HR-Transformation gibt es nicht. Helfen kann hier der Blick von außen. Und ein Ansatz, der einerseits die technische wie auch die organisatorische Dimension ganzheitlich mitdenkt.

Autor:innen: Stefanie Mathis, Stephan Schmid