LERNLUST #68 // Lernwelten entwickeln: Wie Blended Learning an einer Hochschule gelingt
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LERNLUST Podcast
Es werden wertvolle Einblicke in die Praxis der Hochschullehre geteilt und beleuchtet, wie die Schweizer höhere Fachschule sfb ihre Studiengänge modernisiert hat. Thematisiert wird, wie klassische Präsenzlehre erfolgreich mit Online-Unterricht und geführten Selbstlerneinheiten kombiniert wurde und welche Herausforderungen diese Transformation für Lehrkräfte und Studierende mit sich bringt.
Im Fokus steht die Digitalisierung der Lehre und die Einführung eines ganzheitlichen Blended-Learning-Konzepts. Welche Chancen eröffnen die neuen Lernformen? Wo liegen Stolpersteine bei der Erstellung hochwertiger Selbstlerneinheiten, von der Identifikation relevanter Inhalte über die didaktische Aufbereitung bis zum Aufbau einer effizienten E-Learning Factory? Und wie können Lehrkräfte, Studierende und Bildungseinrichtungen von diesem Ansatz profitieren?
Die Episode zeigt eindrucksvoll, warum Blended Learning und digitale Transformation zentrale Themen bleiben, die Lehren und Lernen nachhaltig prägen. Praktische Einblicke, authentische Erfahrungen und wertvolle Impulse für die eigene Lehre machen sie zu einem Muss für alle, die digitale Bildung in Hochschulen gestalten und weiterentwickeln möchten.
Shownotes
Host:
Claudia Schütze // LinkedIn
Gast:
Daniel Arnold, Leiter Blended Learning sfb Bildungszentrum // LinkedIn
Christian Huber, Senior Project Manager tts // LinkedIn
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Transkript
Claudia:
[0:24] Wenn eine Hochschule zeitgemäßer, moderner und digitaler werden möchte, dann heißt das auch, etwas an den bisherigen Lehr- und Lernformaten zu verändern. Bisher üblicher Vor-Ort-Unterricht kann so mit weiteren Lernformen angereichert und gemixt werden. Und genau das ist so gerade bei der Schweizer Höheren Fachschule sfb passiert. Die sfb ist ein Bildungszentrum, in dem verschiedenste Studiengänge aus den Bereichen Wirtschaft und Technik, aber auch entsprechende Aus- und Weiterbildungen berufsbegleitend angeboten werden. In einem großen Teil der Studiengänge sind die bisher klassischen Präsenzveranstaltungen bereits mit Online-Unterricht und geführten Selbstlerneinheiten ergänzt worden und so ist ein komplett neues Blended Learning Angebot entstanden.
Claudia:
[1:15] Diese Transformation der Lehre hat weitreichende Konsequenzen für alle Beteiligten, sowohl für die Lehrkräfte, die an der sfb sehr häufig aus der Praxis kommen, als auch für die Studierenden selbst. Und dabei ist insbesondere die Erstellung der Selbstlerneinheiten eine große Herausforderung gewesen. Von der Identifizierung der richtigen Inhalte, der methodisch-didaktisch sinnvollen Aufbereitung bis hin zum Aufbau einer E-Learning-Factory, um die große Anzahl an benötigten Selbstlerneinheiten qualitativ hochwertig und in einem effizienten Produktionsprozess erstellen zu können. Mein Name ist Claudia Schütze und ich spreche über all das in dieser LERNLUST-Episode mit Daniel Arnold, dem Leiter Blinded Learning und verantwortlich für die Lehrkräfteentwicklung bei der sfb und mit meinem sehr geschätzten tts-Kollegen Christian Huber, der dieses Transformationsprojekt mit viel Herzblut betreut hat.
Claudia:
[2:23] Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen LERNLUST-Episode und ich freue mich, wieder zwei Gäste heute hier zu haben. Und wir haben jemanden zu Gast, der noch nicht in der LERNLUST war und ich begrüße ganz herzlich Daniel Arnold. Schön, dass du da bist heute. Herzlich willkommen.
Daniel:
[2:45] Hallo miteinander. Ich freue mich sehr, dass ich heute dabei sein darf.
Claudia:
[2:48] Schön, dass du da bist. Und wir haben jemanden, den ihr wahrscheinlich schon aus der einen oder anderen Episode kennt. Mein sehr geschätzter Kollege Christian Huber. Christian, herzlich willkommen.
Christian:
[3:01] Salut Claudia und hallo Daniel. Schön, dass wir zusammen über dieses Thema sprechen können.
Claudia:
[3:06] Ja, ich freue mich auch sehr. Und wie ihr da draußen jetzt unweigerlich festgestellt habt, bin ich diesmal die Außenseiterin, was die Sprache anbetrifft. Also, wir haben zwei Gäste aus der Schweiz heute, darüber freue ich mich ganz besonders und das soll aber überhaupt nicht unser Gegenstand des Gesprächs heute sein, sondern wir wollen reden über ein Projekt, in dem ihr beide zusammengearbeitet habt, Christian und Daniel. Und bevor wir das gleich tun werden, ihr kennt es alle schon da draußen, würde ich meine Gäste euch kurz vorstellen wollen, damit ihr wisst, wen ihr hört.
Claudia:
[3:40] Also, Daniel Arnold ist geboren und aufgewachsen in Biel, in der Schweiz. Auf der Sprachgrenze hast du mir souffliert, auf der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch. Ich nehme schon was vorweg, ihr habt beide Erziehungswissenschaften studiert. Das ist zum Beispiel was, was euch eint in eurer beruflichen Historie. Und du arbeitest seit 25 Jahren, Daniel, im betrieblichen Aus- und Weiterbildungskontext bei großen Schweizer Firmen in verschiedensten Branchen. Und zuletzt warst du Teamleiter Learning and Development bei einer Schweizer Bank in Zürich.
Claudia:
[4:20] Du bist jetzt seit gut einem Jahr, das ist der Kontext, über den wir heute auch reden wollen, bei der höheren Fachschule sfb und du bist verantwortlich für Blended Learning dort und für die Entwicklung von Lehrpersonen. Und ansonsten bist du verheiratet, hast zwei Buben. Ich liebe dieses Wort. Ich hoffe, du findest dich wieder in dem, wie ich dich vorgestellt habe, Daniel.
Daniel:
[4:44] Absolut. Und die zwei Buben sind momentan wirklich so die Hauptbeschäftigung in meiner Freizeit, die irgendwo auf die rechte Bahn zu kriegen. Das ist eine sehr schöne, aber auch sehr anspruchsvolle Aufgabe, der mich widme.
Claudia:
[4:59] Super, das glaube ich. Und ich sage herzlich willkommen. Schön, dass du da bist, Daniel.
Claudia:
[5:04] So, dann will ich auch noch ganz kurz zu Christian was sagen, der natürlich kein Unbekannter im Podcast ist. Aber Christian, auch du hast irgendwie 25 Jahre berufliche Erfahrung in verschiedensten Lernkontexten, sage ich einfach mal, in verschiedenen Lernfeldern, euch eint die Erziehungswissenschaft, das habe ich schon vorweggenommen. Und deine Stationen aus diesem Lehr- und Lernkontext gingen von der Schule über die Hochschule, über Jugendarbeiten, über sportliche Aktivitäten tatsächlich und über verschiedenste Settings aus der Lehr- und Weiterbildung. Ja. Das, was du dort natürlich auch hattest, sind viele, viele unterschiedliche Erfahrungen mit dem Thema Blended Learning. Und deshalb bist du heute auch so ein guter Gesprächspartner für uns zu dem Projekt, in dem ihr beide gemeinsam arbeitet, aber eben auch aus deinem beruflichen Hintergrund. Christian, schön, dass du da bist. Herzlich willkommen.
Christian:
[6:03] Yes, hallo.
Claudia:
[6:04] Yes, super. Okay. So, dann lasst uns mal starten. Also, Blended Learning, ich habe es schon ein bisschen vorweggenommen, ist das Thema, über das wir heute gemeinsam sprechen wollen. Ihr habt dazu miteinander gearbeitet, eine ziemlich lange Zeit in einem Projekt, nämlich bei der sfb.
Claudia:
[6:24] Und vielleicht ist das ein guter Punkt, Daniel, dass ich dich nochmal ganz kurz einladen würde, was zu sagen zur sfb. Weil ich könnte mir vorstellen, dass nicht alle unsere Hörerinnen und Hörer damit etwas anfangen können. Und magst du nochmal eine ganz kurze Intro über den organisationalen Kontext sozusagen geben?
Daniel:
[6:44] Ja, sehr gerne. Mit zehn Standorten und über 1200 Studierenden und rund etwa 450 Lehrpersonen aus der Praxis ist die sfb, eine höhere Fachschule für Technologie und Management, mit ausschliesslich berufsbegleitenden Lehrgängen im Bereich Technik und Wirtschaft, eine der grössten höheren Fachschulen in der Schweiz. Und ich arbeite selber hier am Standort in Dietikon, das ist in der Nähe von Zürich und wir sind wirklich in allen Landesteilen auch präsent. Ich denke, das ist auch etwas, was uns auszeichnet, dass auch die französischsprachigen Studierenden und auch die italienischsprachigen im Tessin können sich an der SFW einschreiben und sich beruflich weiterentwickeln. Persönlich bin ich als Blended Learning-Verantwortlicher, angestellt hier an der Schule und das ist dann eben auch die Thematik, mit der ich mich eben mit Christian und seinem Team auch eng austausche wöchentlich, um hier die Transformation, die digitale Transformation auch voranzutreiben.
Claudia:
[7:46] Okay, ganz herzlichen Dank. Dann haben vielleicht auch Menschen, die uns nicht aus der Schweiz zu hören, eine Idee, was der Kontext ist, in dem ihr beide miteinander zum Thema Blended Learning gearbeitet habt. Und jetzt habe ich schon so oft gesagt, Blended Learning, ich glaube ... also ich gehe davon aus, fast alle unsere Zuhörerinnen werden eine Fantasie im Kopf haben zu dem Thema Blended Learning. Ich bin mir aber relativ sicher, dass wir nicht alle dieselbe Fantasie im Kopf haben dazu.
Claudia:
[8:15] Und deshalb wollen wir darüber natürlich reden und frage euch beide einfach mal, was sind denn so eure Lernerfahrungen aus dem Hochschulkontext? Also wir haben alle studiert, ich auch, bei mir ist aber schon ganz schön lange her. Das heißt, ich muss mir auch wirklich Mühe geben, mich daran zu erinnern. Aber wie blendet waren denn eure Hochschullernerfahrungen, ihr zwei?
Christian:
[8:38] Also ich kann hier mal einsteigen. Zumindest waren meine Hochschulerfahrungen nicht so, dass sie nur auf ein einziges Format gesetzt hätten im Lernen, nämlich nur auf Präsenzveranstaltungen. Das ist das, was wir alle kennen von einem Studium, sondern man hatte ja schon immer einen Selbstlernanteil, den man asynchron gemacht hat, den man mit verschiedenen Medien gemacht hat. Man hat vielleicht recherchiert im Internet, man hat Texte gelesen, aber auch auf Papier. Man hat gesprochen mit KommilitonenInnen. Das ist dann vielleicht eher informales Lernen, aber es ist halt auch, was dazugehört. Deswegen war das schon immer ein Mix aus verschiedenen Lernmedien und Lernformaten. Ich muss noch ergänzen, da ich jetzt meinen Master erst vor ein paar Jahren gemacht habe, mein Bachelor war schon vor über 20 Jahren. Bin ich da vor ein paar Jahren halt genau in diese Corona-Zeit reingerutscht. Und da hat man dann eigentlich dann auch echtes Blended Learning gemacht, so ein bisschen gezwungenermaßen, nämlich digitale, synchrone Lernformate eingesetzt. Also sich online gemeinsam getroffen und dort gemeinsam mit Video und Ton live übertragen, quasi zum Beispiel eine Vorlesung oder ein Seminar gemacht. Und das war dann eigentlich echtes Blended Learning, wie man es sich auch nach dem Buch vorstellt.
Claudia:
[10:00] Ja, sehr schön. Christian, bevor wir da gleich noch ein bisschen tiefer einsteigen, wollte ich aber Daniel auch ganz gerne mal hören, wie deine Erfahrungen waren mit dem Thema Blended im eigenen Erleben sozusagen.
Daniel:
[10:13] Ja, meine Ausbildung datierte auch schon noch vor der Jahrtausendwende, Ende der 90er Jahre an der Universität Bern. und da war schon das Modul Präsenzveranstaltung dominant. Also man hat wirklich noch keine digitalen Lernformate gekannt. Eine E-Mail-Adresse zu besitzen oder ein Mobiltelefon, das war exklusiv. Das war damals noch nicht selbstverständlich. Und da war es dann wirklich auch vor allem meinem Antrieb geschuldet, dass ich mich einfach auch immer selber vor- und nachbereitet habe im Selbststudium mit Büchern, mit Unterlagen, die ich mir in der Bibliothek zusammengesucht habe. und eben ... digitales Lernen war noch kein Thema damals. Das kam erst dann nach meinem Studium. Unterdessen natürlich viele Weiterbildungen, auch an Fernfachhochschulen, die dann sehr stark auf Blended Learning gesetzt haben. Aber das war dann natürlich viel moderner und zeitgemäßer, wie wir es heute auch kennen. Aber wirklich die Grundausbildung, das war noch ganz traditionell.
Claudia:
[11:15] Okay, ich glaube, da kann ich ganz laut nicken dazu. Also mein Studiumsende war auch deutlich vor der Jahrtausendwende und insofern, Daniel, verstehe ich sehr gut, was du sagst. Also mein Studium funktionierte natürlich über Anwesenheit im Hörsaal, in Seminaren, über wirklich physische Präsenz. Und all die schönen, hilfreichen, unterstützenden Tools, die wir heute haben, um eben auch andere Sachen reinzumixen in diesen Blended Learning Mix, die gab es damals alle nicht. Aber natürlich gab es auch Dinge, die das ergänzt haben. So wie Christian es eben auch schon gesagt hat, natürlich mussten wir uns Dinge selber erarbeiten. Wir mussten auch was lesen und mitbringen zu den Seminaren. Wir mussten was ausarbeiten und vorbereiten und recherchieren. Also all das kenne ich natürlich auch, aber eben ohne die schicken digitalen Tools, die wir heute haben. Und Christian, ich glaube, das ist jetzt ein guter Aufhänger. Du hast ja eben schon so ein bisschen angefangen zu sagen, was du unter einem Blended Learning Ansatz verstehst. Und weil ich ja in meiner Intro mich so weit aus dem Fenster gelehnt habe und gesagt habe, ich glaube, jeder von uns, auch unsere ZuhörerInnen, haben unterschiedliche Ideen dazu, was vielleicht Blended Learning sein könnte, würde ich das, glaube ich, gerne mit euch nochmal ein bisschen ausführen und würde euch gerne einladen, mal eure Gedanken zu teilen, was ihr denkt,
Claudia:
[12:38] was sind denn so mögliche Ansätze für so ein Blended-Learning-Format?
Christian:
[12:42] Also es gibt nicht die eine Lehrbuchdefinition von Blended Learning. Ich sage jetzt mal ein bisschen, was der Common Sense ist, was man normalerweise darunter versteht. Ich nehme einfach diesen englischen Begriff Blended Learning, den man ja so frei übersetzen kann in vermischtes Lernen oder Mixen, was zusammentun, was eigentlich sonst getrennt wäre.
Christian:
[13:06] Und Lernen hat das schon an sich schon immer, dass es halt eigentlich immer schon blended learning ist, so im Großen und Ganzen gesehen. Wenn man jetzt ein bisschen enger hinschaut, dann geht es vor allem um den Mix von digitalen Formaten und nicht-digitalen Formaten. Also ganz klassischerweise, man hat irgendein Thema, irgendeinen Kurs und da trifft man sich ein paar Mal vor Ort in einem Klassenraum oder auf der Exkursion oder wo auch immer, aber man hat halt eben auch Treffen, die digital stattfinden, wo man sich in einem Teams-Raum oder einem anderen digitalen Tool trifft und dort in Präsenz was zusammen macht. Das ist so wichtig, sind diese Präsenzphasen, die verschieden gestaltet werden, was dann das Blended ausmacht. Aber da kann man natürlich noch viel weiter denken. Ich bringe ein kleines Beispiel, weil wie das dann konkret aussieht und da gibt es dann wieder so Untermodelle oder andere Begriffe dazu, zum Beispiel das Thema Flipped Classroom. Das ist so ein Konzept, was da fest zusammenhängt mit dem Blended Learning. Die Idee also, dass man wegkommt von zuerst Vermittlung eines Themas, dann Übung und das eigentlich umdreht. Also im Sinne von auch, es braucht vielleicht eine asynchrone Vermittlung, man liest etwas oder man schaut ein Lernvideo.
Christian:
[14:25] Dann übt man es aber selbstständig und dann bringt man seine Fragen und seine Erkenntnisse und seine Themen in ein Präsenzformat, wo man dann mit dem Experten, der eben nicht mehr vermitteln muss, sondern punktuell schauen kann, was bringen jetzt die Lernenden mit, darauf eingehen kann und mir diese Chance vom Zusammensein nicht für einen Vortrag nutzt, sondern für Diskussion, für gemeinsames Üben und so weiter. Das wäre jetzt zum Beispiel ein Modell, das man sich denken könnte, was Blended Learning wäre.
Claudia:
[14:56] Absolut. Danke, dass du das nochmal ein bisschen dargestellt hast. Den Flipped Classroom ist eine Idee, die ich auch sehr, sehr wertvoll auch in meinen Arbeitskontexten finde. Und ich nehme mal an, dass wir darüber auch nachher ein bisschen genauer sprechen werden. Aber jetzt haben wir so ein bisschen gehört, was ist eigentlich Blinded Learning? Was kann es sein? Viele verschiedene Ansätze sind sicher möglich. Aber Christian hat jetzt einen ein bisschen ausführlicher dargestellt, der auch später für uns dann eben noch zum Tragen kommen wird. Und jetzt ist so die Frage von mir, Daniel ... wir haben gehört, Blended Learning bei der sfb, okay, das ist der Weg, den ihr jetzt geht. Und wenn ich sage, jetzt geht und wir auch über die Tools, die vielleicht früher gar nicht zur Verfügung standen, gesprochen haben, das heißt, da war früher was anders. Und darüber würde ich gerne dich einladen, mal ein bisschen uns zu erzählen,
Claudia:
[15:47] wie war denn der Unterricht vorher, bevor ihr mit diesem Blended Learning Konzept gestartet seid an der sfb? Und was war der Auslöser überhaupt, was zu ändern daran?
Daniel:
[15:59] Also, wie ich gesagt habe, die sfb unterrichtet junge Menschen, vornehmlich Männer, die im Berufsleben stehen und die dann Freitagabends und Samstags an der Schule den Unterricht genießen mussten. Also das sage ich bewusst so, weil das natürlich immer auch ein großer Aufwand bedeutet. Die Leute wohnen nicht alle gleich im Umfeld der Schule, sondern haben zum Teil auch weiten Anfahrtsweg, haben vielleicht auch noch andere private Hobbys, denen sie nachgehen wollen am Samstag und die mussten das alles unter einen Hut bringen. Und der Unterricht hat da immer sehr klassisch im Klassenzimmer stattgefunden. Das sind die Lehrpersonen, die kommen dann auch aus ihrer beruflichen Umgebung in die Schule, unterrichten ihr Thema, versuchen ihre Inhalte so gut wie möglich an die Studierenden zu vermitteln und die gehen dann nach 17 Uhr wieder nach Hause und in der nächsten Woche wieder das gleiche. Also sehr traditionell, Zusatzaufwand ein großer, also ich habe großen Respekt vor diesen jungen Leuten, die sich da für solche Weiterbildungen auch entscheiden und das hat alles immer hier vor Ort stattgefunden. Und dann gab es eben auch bei der sfb natürlich mit der Pandemie wirklich einen Neustart. Da musste man in der kürzesten Zeit sich überlegen, wie verlieren wir nicht die Studenten, wenn sie nicht hierher kommen dürfen.
Daniel:
[17:18] Und da hat man dann sofort rübergeschwenkt in ein Online-Unterrichtsformat und hat gemerkt, das bietet durchaus auch Möglichkeiten, die wir nutzen könnten, wenn dann mal ein Begegnen wieder möglich ist.
Claudia:
[17:31] Ja.
Daniel:
[17:32] Ich denke, das war dann wirklich auch der Start und da hat sich die sfb dann das Ziel gesetzt, eine moderne Lernumgebung zu schaffen, die Möglichkeiten bietet, einem Studierenden Flexibilität zu geben, dass er vielleicht eben am Freitagabend dann nicht durch den Feierabendverkehr nach der Arbeit noch in die Schule fahren muss, sondern dass er vielleicht dann den Unterricht von zu Hause oder vielleicht sogar noch vom Arbeitsplatz aus mitverfolgen kann mit MS Teams. Das ist das Format, das wir gewählt haben für den Online-Unterricht und so dann im Online-Unterricht, also per Videoübertragung der Lehrperson folgen kann. Das war so ein bisschen der erste Aufhänger. Und dann hat man das noch ein bisschen weiterentwickelt und hat sich dann auch gesagt, ja, es sollte da auch noch möglich sein, dass Unterricht auch ohne Lehrperson stattfinden kann.
Claudia:
[18:18] Aha, okay.
Daniel:
[18:19] Das ist dann quasi das dritte Element, wir nennen das das geführte Selbstlernen, mit dem dann die Studierenden ihre Inhalte selbstständig nach- oder vorbereiten können, bevor sie dann wieder in den synchronen Unterricht zurückkehren, sei es dann in eine Präsenzveranstaltung wieder an der Schule oder in eine Online-Session, die sie dann vom Computer aus mitmachen können mit der Lehrperson zusammen. Das ist so der Mix, wie sfb das aufgestellt hat.
Claudia:
[18:49] Ein Mix aus drei, habe ich jetzt richtig verstanden, aus drei verschiedenen Lernformen, korrekt?
Daniel:
[18:53] Ganz genau. Unterschiedlich gewichtet auch, ist auch noch wichtig. Also Hauptbestandteil des Unterrichts an der sfb ist nach wie vor der sogenannte Präsenz- oder der Vor-Ort-Unterricht. Der umfasst drei Viertel mindestens und die restlichen Prozente teilen sich dann auf in Online-Unterricht und dann eben ein kleiner Teil, 10, 15 Prozent, wo dann wirklich der Student, die Studentin sich selbstständig in die Themen geführt einarbeiten kann.
Claudia:
[19:23] Okay, also ich finde, da sind viele Dinge drin, die sehr attraktiv klingen. Also denke ich auch für die jungen Leute, die zu euch kommen. Und Christian, ich würde dich jetzt gerne mal fragen, jetzt haben wir so ein bisschen die praktische Umsetzung von Daniel geschildert bekommen, wie es heute bei der sfb eben läuft und dich würde ich gerne fragen,
Claudia:
[19:43] was gibt es denn überhaupt für didaktische Gründe, Lernangebote in dieser Art und Weise zu machen? Also wir haben ein bisschen praktische Erleichterungen eben, glaube ich, von Daniel schon gehört. Also wie kann ein Wochenende eben anders gestaltet werden, wenn es ohne Reisen stattfinden muss und man eben das im Selbststudium zum Beispiel sicher arbeiten kann. Aber das ist jetzt erst so ein bisschen das Praktische gewesen und Christian, vielleicht kannst du mal so ein bisschen über die Gründe sprechen, die hinter solchen Lernangeboten stecken und dem Mix von solchen Lernangeboten stecken.
Christian:
[20:17] Gerne. Man kann ja zwei Perspektiven auftun, eine kollektive und eine individuelle. Und wenn wir jetzt auf den Lernenden schauen, auf der individuellen Perspektive bedeutet eine Entzerrung des Lernens in verschiedenen Formaten, hat die Möglichkeit beim Selbstlernen, wenn ich jetzt darauf schaue, ein eigenes Tempo zu setzen. Ich kann dann halt in der Geschwindigkeit vorwärts gehen, die ich brauche. Ich kann nochmal was lesen oder ein Video nochmal zurückspulen und anschauen. Ich kann die Übungsaufgaben nochmal machen, um Hinweise zu bekommen für Lücken, die ich vielleicht noch habe. Ich kann auch rein theoretisch das übergebene Lehrmaterial verlassen, selber recherchieren oder ins Gespräch kommen mit meinen Mitlernenden oder auch anderen Leuten. Also man hat halt dort die Möglichkeit, sehr selbstbestimmt das Lernen zu gestalten. Ich glaube, es ist wichtig, nicht der Illusion zu erliegen, dass dann alles möglich wird, weil wir haben ja dann trotzdem Zeitrestriktionen. Also man nimmt sich halt vor, ich habe jetzt eine Stunde Zeit zum Lernen. Das ist das halt nicht unendlich. Aber ich kann immerhin vorhaben, dieses eigene Tempo vorlegen und mir auch in Ruhe rausfinden, wo ich anstehe und wo nicht.
Claudia:
[21:40] Okay.
Christian:
[21:41] Dann auf der kollektiven Ebene, um die andere Perspektive anzusprechen, die Möglichkeit bietet dann, wenn man gemeinsam zusammen ist, halt das zu nutzen, um nicht klassische Vermittlung zu machen. Jemand spricht oder zeigt, die anderen schauen oder hören zu, sondern dort mehr ins Gespräch zu kommen. Also die Fragen, die mitgenommen wurden, aus der Selbstlernphase eben zu thematisieren, in Gruppenarbeiten reinzugehen und so weiter. Also Dinge zu, in Dialog zu gehen mit dem Experten und da dann auch Fallbeispiele zum Beispiel anzuschauen. Das wären so Vorteile von, wenn man das Lernen entzerrt und nicht auf eine Präsenzphase alleine reduziert, sondern verschiedene Möglichkeiten anbietet.
Claudia:
[22:29] Super. Daniel, hast du noch Gedanken dazu, die du vielleicht ergänzen magst zu dem, was Christian eben schon mit uns geteilt hat?
Daniel:
[22:38] Ja, gerne. Ich nenne hier auch die Individualisierung, die mir persönlich auch sehr wichtig ist und das auch ein Versprechen ist unserer Schule, dass wir hier die Möglichkeit bieten, dass jeder und jede in ihrem eigenen Tempo auf ihre eigene Weise auch lernen können. Bedingt natürlich, dass man den persönlichen Lernstil auch identifiziert hat, dass man weiss beispielsweise, wann man am besten lernt. Ist das nachts um drei oder irgendwo morgens um acht? Das ist auch ganz wichtig, dass man die Studierenden hierzu auch befähigt, sich selber mit den eigenen Lernkompetenzen auch zu kennen, um dann diese Chance auch nutzen zu können, die einem dann das Blended Learning auch bietet. Und dann sicher auch ein wichtiger Punkt ist die Flexibilität, eben dass man dann selber entscheiden kann, heute kann und will ich, morgen bin ich andersweit beschäftigt und trotzdem kann ich mein Studium machen und bin dann nicht abhängig von allen Anwesenheitspflichten, wie man das früher eben gekannt hat. Und das denke ich, das ist auch im Zeitgeist, dass wir hier ein Angebot auch schaffen müssen, um die Bedürfnisse der jungen Generation wirklich auch Rechnung zu tragen.
Claudia:
[23:49] Ja, also ich glaube, dass das ein sehr wichtiger Ansatz ist. Der ist nicht nur wertvoll, der ist auch sehr wichtig, dieser Ansatz, weil eben Lernbedürfnisse unterschiedlich sind. Und ich glaube, jetzt ist endlich die Zeit gekommen, wo wir dem auch mehr Rechnung tragen können, also in jeder Form von Kontext Rechnung tragen können und einfach auch Menschen die Möglichkeit geben können, mehr in ihrem Rhythmus, in ihrer Präferenz, in ihrer Zeit, in ihrer Hochleistungslernzeit sozusagen auch lernen zu können, zumindest mit manchen dieser Angebote. Und jetzt habe ich euch beide so ein bisschen gefragt, so zum didaktischen Hintergrund und zu der Umsetzung in der Praxis haben wir jetzt schon so ein bisschen was gehört und ich habe gesagt, ihr arbeitet beide zusammen an diesem Kontext, eben Blended Learning an der sfb.
Claudia:
[24:39] Und Christian, vielleicht kannst du noch mal zwei, drei Sätze dazu sagen, warum du mit Daniel über genau dieses Thema bei der sfb nachdenkst und arbeitest.
Christian:
[24:50] Ja, unbedingt. Mache ich gerne. Der Punkt ist ein bisschen, dass das schon ein Herzensprojekt für mich ist und für meine Co-Projektleiterin, die Corinna Blaersch, die auch in diesem Projekt mitwirkt. Und weil es halt ein tolles Projekt ist, mit einer Hochschule zusammenarbeiten zu dürfen. Und weil dort halt das, was wir leisten von der tts her, quasi das Herz der Hochschule betrifft, nämlich das Lernen. Und in Anführungszeichen nicht nur ein Zusatz ist, der Mitarbeiter befähigt, zum Beispiel eine Software zu beherrschen, was ich unglaublich wichtig finde, aber was oft sonst die Realität in unseren Projekten ist. Und genau, wie kamen wir dazu? Also wir erhielten die Möglichkeit, uns vorzustellen bei der sfb. Das war noch vor der Zeit, bevor Daniel da war. Und die sfb hatte schon Erfahrung gesammelt mit diesen Blended Learning Umstellungen, steckte aber ein bisschen in den Herausforderungen bezüglich diesen Selbstlernthemen, die sie eben auch etablieren wollten. Das klassische Unterrichten, gestalten von Unterrichtsgefäßen, ob es online oder in Präsenz, das hatten die sehr gut im Griff.
Christian:
[26:06] Aber dieses Bereitstellen von Materialien, das Reingießen in E-Learnings eigentlich, das ist eine Spezialität, die tts hat und da konnten wir zeigen, dass wir die sfb gut unterstützen können im Aufbau einer.
Christian:
[26:19] Also das zu produzieren für all diese vielen Lehrgänge, die die sfb hat mit ganz vielen Fächern, ist das ein Riesenaufwand, das gut koordiniert zu machen, gut durchzudenken, zu organisieren und dann aber auch natürlich, dass das Lernen im Mittelpunkt steht und haben mit der sfb dann gemeinsam diese Factory aufgebaut.
Claudia:
[26:40] Super. Okay, das heißt, du hast schon ein bisschen verraten, worum es dabei ging. Und insofern bringt uns, das war ein schöner roter Teppich, Christian,
Claudia:
[26:49] jetzt dazu, dass wir ein bisschen schauen wollen, was war denn eigentlich euer Ziel, Daniel? Was wolltet ihr erreichen mit dieser Umstellung, mit dieser Transformation, mit der Veränderung der Lernangebote? Und wie geht man vor, wenn man so eine Umstellung machen möchte? Also es wäre schön, wenn du uns dazu mal ein bisschen was erzählen würdest.
Daniel:
[27:14] Die Zielsetzung war für uns wirklich, dass wir einen zeitgemäßen Unterricht bieten können, der eben aus verschiedenen Unterrichtsphasen besteht, die inhaltlich analysiert wurden und man hat dann wirklich die Vorteile der einzelnen Methoden herauskristallisiert und hat gemerkt, welche Themen eignen sich eben in der Präsenz zu besprechen. Wo es dann eben darum geht, von der Expertise der Lehrperson zu profitieren, das soziale Lernen auch zu pflegen, den Austausch, das Vertiefen auch von Fragestellungen, die vielleicht auch spontan aufkommen. Das soll alles weiterhin im Vor-Ort-Unterricht beibehalten werden.
Daniel:
[27:51] In den Online-Sessions, dort ging es dann eher darum, die sind dann auch etwas kürzer gehalten, dass man dort dann beispielsweise Feedback miteinander teilt, dass man Fragestellungen nochmal vertieft, dass man kurze Übungen auch zusammen machen kann. Also dort sollte zum Beispiel dann der Monolog der Lehrperson sehr begrenzt nur vorkommen. Und dann in diesen Selbstlehneinheiten, die dann wirklich dem Studierenden die Möglichkeit bieten sollen, sich in ein Thema reinzuknien, sich zu vertiefen, vor allem aber auch vorzubereiten. Und hier ist die Idee, dass die Studierenden dann vorbereitet in den nächsten Präsenzunterricht reinkommen, dass sie also alle schon eine mentale Vorarbeit geleistet haben, sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, vielleicht schon auch erste Fragestellungen formuliert haben, um dann gezielt in die Vorteile der Präsenzveranstaltungen reintauchen zu können, ohne dass dann der eine oder andere noch gar nicht weiss, worum es eigentlich geht. Das ist so sicher eines der Hauptthemen, das wir dann mit dem Erstellen der Selbstländerheiten verfolgt haben. Und hier hat uns eben das Team von Christian unterstützt im ganzen Prozess. Das muss man sich vorstellen, da sind viele verschiedene auch Beteiligte dabei. Wir haben einerseits Fachautorinnen identifizieren müssen.
Claudia:
[29:08] Okay. Das ist wer? Wer ist das Daniel? Fachautor:innen.
Daniel:
[29:13] Fachautoren haben wir rekrutiert aus dem Lehrkörper. Das sind Lehrpersonen, die sich hier bereit erklärt haben, quasi mal in eine andere Rolle zu schlüpfen und ihr Fach, das sie normalerweise unterrichten, aufzubereiten in einer geführten Selbstlehneinheit und quasi das Thema dann den Studierenden für selbstständige Lernen aufbereiten zu können. Also die haben quasi den Inhalt gebracht und wir haben es dann zusammengestellt in eine Lernsoftware und das Team von Christian hat uns dann geholfen, das auch didaktisch aufzubereiten mit entsprechenden Übungen, mit Repetitionen, dass es wirklich auch ansprechend daherkommt, um dem Studierenden auch ein Lernerlebnis bieten zu können. Es soll ja nicht nur eine Lektüre sein, da könnt ihr auch ein Buch nehmen natürlich, sondern es soll ihn auch motivieren, es soll ihm immer wieder auch die Möglichkeit geben, zu reflektieren und sich auch zu messen. Also wir haben auch Lernziele, die sie erreichen müssen dabei, um ihm ein Bild zu geben, hey, habe ich es verstanden, bin ich wirklich bereit, kann ich den nächsten Schritt gehen? Und das bedingt dann wirklich so eine Struktur, die möglichst immer auch gleich ist, aber Möglichkeiten auch bietet, dass jedes Fach wirklich auch den Geruch oder ich sage dem auch so ein bisschen die Eigenart der Lehrperson, die als Fachautor hier sich engagiert, beibehalten kann.
Claudia:
[30:36] Okay, das klingt sehr, sehr spannend. Christian, du hast es schon ganz deutlich gemacht. Du möchtest noch etwas dazu sagen, bitte.
Christian:
[30:44] Genau, das ist eigentlich einfach wunderbar, um da gleich anzudocken an dieses Thema von den Fachautoren und wie kommen wir zu den Inhalten, die wir im Selbstlernen dann oder die sfb im Selbstlernen dann anbietet und Das, denke ich, ist auch für Hochschulen oder Schulen generell ein Knackpunkt, weil Lehrpersonen traditionell ausgebildet sind, in synchronen Settings zu arbeiten.
Christian:
[31:13] Also direkt mit den Studierenden, vielleicht mal auch im Austausch, im Dialog, aber nicht im Bereitstellen von Selbstlernmaterial. Und gerade nicht, wenn man es e-Learning-mäßig aufbereitet, dass man viel Material in eine Struktur reinbringen muss, die sich abwechselt aus Vermittlungsinhalten, aus Übungen, aus Fallbeispielen und so weiter und das dann noch der richtigen Sprache und so weiter gemacht hat. Und da konnten wir halt die Expertise reinbringen von tts, in der Erfahrung in diesem Bereich, Me-Learning gestalten von asynchronen Formaten und der sfb einerseits durch unsere Expertise, also direkt dann in Einzelherstellung von zwei Einheiten, helfen. Aber wir haben ja dann auch gemeinsam, Daniel.
Christian:
[32:01] Diesen kleinen Didaktikkurs entwickelt, den wir den Fachautoren anbieten, wo es sich eben selbst lernen. Sie können da selbst lernen, lernen Sie einerseits das Tool kennen, also was kann man nicht überhaupt für Medieninhalte nutzen, was gibt es für, Übungsmöglichkeiten, es gibt Multiple Choice oder es gibt so Zuordnungsaufgaben, die wir umsetzen können im E-Learning, dass Sie das kennen, was überhaupt möglich ist, aber dann halt auch didaktisch, wie mache ich das, oder? Oder wie mache ich einen roten Faden? Wie muss ich das schreiben? Es geht ja auch oft um Texte, die die Fachautoren liefern müssen. Die halt anders sind, als wenn man sie auf eine PowerPoint-Folie wirft, wo es um Stichworte geht, aber man ergänzt dann auf der Tonspur und man muss halt da alles liefern. Das sind zum Beispiel so Themen, wo sie sich einarbeiten konnten in diesem Kurs und dann zusammen jetzt mit Daniel, früher noch mit uns, auch in die Arbeitsphase gehen, wo sie das Konzept ausarbeiten und wir das begleiten und didaktisch stramm ziehen, kann man sagen, bevor wir es in die Produktion nehmen.
Claudia:
[33:02] Okay, also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, das war schon eine Herausforderung für eure Lehrkräfte, Daniel, oder?
Daniel:
[33:10] Genau.
Claudia:
[33:11] Das war einfach ganz anders. Das wäre jetzt so, wie ich es zusammenfassen würde. Das war einfach anders als das, was Sie vorher gemacht haben.
Daniel:
[33:18] Dem ist es so. Die Lehrpersonen sind, wie Christian richtig gesagt hat, keine Autoren von Fachliteratur, sondern das sind Praktiker, die leben für ihr Fach und die lieben vor allem auch den Austausch mit den Studierenden. Also die Präsenz, das Wirken in der Präsenz ist diesen Personen sehr wichtig. Und das ist auch ihre Stärke. Okay, das verstehe ich absolut ernst. Trotzdem mussten wir irgendwo einen Weg finden, wie können wir das Wissen von diesen Experten eben in Lehrmittel transportieren, die wir dann aufbereiten konnten. Also wir haben nicht den Anspruch, dass wir alle diese Inhalte selber auch kennen, sondern das sind wirklich die Spezialisten gefragt, die für uns unterrichten. Und die mussten wir quasi befähigen, dann in diese Arbeit reinzukommen. Das war ein sehr eng geleiteter Prozess auch, sehr gut aufgesetzt auch von der tts, der uns da die Möglichkeit gab, eben in Zusammenarbeit mit diesen Fachautoren dann diese Inhalte zu erstellen. Das brauchte manchmal ein bisschen mehr Zeit. Wir hatten aber auch das Glück, dass einige Lehrpersonen sich auch mehrmals zur Verfügung gestellt haben für verschiedene Inhalte.
Claudia:
[34:19] Was bestimmt auch gut ist, weil es eine Lernkurve gibt dann für die Kolleg:innen.
Daniel:
[34:23] Genau, wir konnten profitieren von den Erfahrungen und das hat dann wirklich zu sehr guten Resultaten auch geführt.
Claudia:
[34:28] Ja, sehr schön. Klingt sehr interessant. Was habt ihr euren Lehrkräften noch mitgegeben? Also Christian hat eben den kleinen Kurs beschrieben, wo, glaube ich, so Basics, so klang es für mich zumindest, erklärt wurden, vermittelt wurden. Vielleicht gab es auch was zum Ausprobieren, weiß ich nicht so genau. Aber was habt ihr ihnen noch mit an die Hand gegeben?
Daniel:
[34:50] Ich habe ihm eben gesagt, du musst dir vorstellen, du musst ihm einen roten Faden bieten, der ihn begleitet, an dem er sich hochhangeln kann, um eben durch diese Selbstlehrerheit durchzuarbeiten. Die sind aufgesetzt als Ersatz eigentlich für vier Lektionen. Also ich stelle mir dann vor, statt dass ich dann vier Lektionen vor Ort besuche, arbeite ich das Thema quasi dann selbstständig in einer Selbstlehrerheit durch, zeitlich etwa bei 180 Minuten vielleicht. Okay. Und da muss man schon irgendwo sich auch überlegen, ja, wie halte ich jetzt meinen Lesenden bei der Stange? Dass der nicht gleich nach der ersten Seite schon wieder zum Kühlschrank geht, oder, und sich irgendwann eine Packung Chips holt, weil das interessanter ist.
Claudia:
[35:31] Das ist erlaubt, glaube ich. Wenn es lernförderlich ist, Daniel, ist es erlaubt.
Daniel:
[35:36] Auf jeden Fall.
Christian:
[35:38] Es gab auch ganz praktische Unterstützung neben diesem Kurs, nämlich eine Vorlage, wo Sie Ihr Konzept reinschreiben. Und so eine Vorlage zu haben, und die mussten wir auch entwickeln, Die haben wir jetzt auch verfeinert in den letzten zwei Jahren, seit wir dieses Projekt machen. Das ist nicht ohne. Das hilft den Fachautoren ... wirklich okay. Und das hilft auch uns, wenn wir es dann produzieren, dass wir halt wirklich auch alles haben, was wir dann brauchen. Absolut. Die ist gut strukturiert, die hat innerhalb der Vorlage noch Anweisungen für die Fachhautoren, gerade wenn sie neu sind in diesem Konzeptionsschreiben. Das hilft dann ihnen, neben dem Kurs, den sie machen können, selbst eine Einheit dieser Kurs, die Vorlage zu nutzen. Und dann, wie es Daniel schon gesagt hat, findet auch viel Beratung statt. Da können wir gerne auch Daniel wieder fragen. Neben diesem roten Faden gibt es auch noch andere Themen, Wie zum Beispiel auch so das Thema von geschickte Übungen finden für das Thema. Was eignet sich denn da überhaupt?
Daniel:
[36:39] Weil Sie als Lehrperson kennen natürlich Ihre Studierenden auch am besten. Sie können am besten einschätzen, wo sind die Stolpersteine, wo sind Themen, die einfach von der Hand gehen, wo brauchst du ein bisschen mehr Hintergrundinformation. Und das war für uns wirklich auch spannend zu sehen. Jede Lehrperson sieht ihr Fach natürlich ein bisschen anders. Und mit einer Selbstlerneinheit müssen dann mehrere Lehrpersonen, die das Fach unterrichten, sich dann irgendwo auch zurechtfinden. Zurechtfinden, dass sie dann wissen.
Claudia:
[37:05] Okay, einer ist quasi der Mitentwickler sozusagen, aber mehrere Personen werden später damit arbeiten müssen. Habe ich das jetzt richtig verstanden?
Daniel:
[37:15] Richtig, richtig. Dadurch, dass wir ja auch geografisch an mehreren Standorten sind, heisst das, dass dann vielleicht an mehreren Standorten ein Lehrgang durchgeführt wird und die verfolgen alle den gleichen Lehrplan und gehen dann auch gleichzeitig alle in die Selbstlehrnphasen rein Und das bedingt dann eben, dass die Lehrpersonen untereinander auch wissen müssen, was steht da drin. Das ergibt sehr spannende Diskussionen, die dann in der sogenannten Fachschaft dann auch ausgetauscht werden, die dann wirklich auch sicherstellen, dass wir alle am gleichen Strang ziehen und die Studenten und Studentinnen da richtig begleiten können in ihrer Ausbildung.
Claudia:
[37:52] Okay. Ich glaube, da will ich nachher noch mal ein bisschen mehr dazu wissen, zu dem Prozess. Aber wir haben jetzt relativ stark fokussiert auf die eine Seite der Medaille ... auf eine Zielgruppe, nämlich auf die Lehrkräfte.
Claudia:
[38:06] Da gibt es aber auch noch die Studierenden, die ja mit dieser neuen, vielleicht für sie gar nicht so neuen, aber grundsätzlich neuen Art des Lernangebotes, der Lernangebote, es sind ja mehrere, deshalb eben dieser Mix, ja jetzt sich auseinandersetzen müssen und mit diesen neuen Lernangeboten sozusagen zu ihren Lernerfolgen kommen sollen. Und Daniel, wie ging es denn den Student:innen damit? Ich sage jetzt Student:innen, das ist glaube ich nicht ganz korrekt, du hast vorher gesagt, ihr seid mehrheitlich, sind das glaube ich männliche Studenten, die ihr habt, korrekt?
Daniel:
[38:36] Das ist genau so.
Claudia:
[38:38] So schön geübt an diesem Sprech ...
Claudia:
[38:42] Da passt es nachher gar nicht. Okay, Spaß beiseite, Daniel. Magst du mal ein bisschen erzählen, wie das für eure Studenten war?
Daniel:
[38:51] Also wir haben erkannt, dass eine schrittweise Befähigung auch der Studierenden zum selbstorganisierten Lernen sehr wichtig ist.
Claudia:
[39:00] Aha, absolut.
Daniel:
[39:01] Dass die Studierenden, die obligatorische Schulzeit und eine Berufslehre absolviert haben, vielleicht das Lernen nicht nur positiv in Erinnerung haben, sondern das immer auch ein bisschen eine mühsame Pflicht empfunden haben und vielleicht da nicht alle über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um dann gleich in ein solches Setting reinzustürzen, wenn sie bei der sfb beginnen. Und deswegen war es uns sehr wichtig, die Studierenden da von Anfang an auch zu befähigen, sich eben mit Selbstmanagement-Tools auseinanderzusetzen, Touren kennenzulernen, die ihnen helfen, auch die Zeit richtig einzuteilen, ihre Lernkompetenzen kennenzulernen oder eben auch ihre innere Uhr zu verstehen.
Claudia:
[39:43] Magst du dazu mal ein bisschen ausholen, Daniel? Da bin ich sehr, sehr neugierig, ein bisschen mehr zu werden, zu sagen, okay, sie brauchten Tools, damit sie das besser können. Magst du mal sagen, was für Tools ihr ihnen an die Hand gebt oder zur Verfügung stellt, um da einfach so ein bisschen die eigene, ich sage jetzt schon auch mal, Lernkompetenz zu reflektieren und das eigene Lernen erfolgreicher zu machen? Das ist ein Thema, was, glaube ich, ganz, ganz, ganz viele Organisationen und Lernende in Organisationen haben.
Daniel:
[40:13] Genau, also wenn man eine Weiterbildung beginnt, da steht man oft wie ein bisschen der Esel am Berg und weiss gar nicht, wo muss ich jetzt beginnen. Da habe ich so viel irgendwo an Tasks in meiner Agenda drin und das fällt vielen schwer, sich dann da zu strukturieren und wir helfen ihnen hier mit ganz praktischen Tools, das Eisenhower-Prinzip vielleicht als Beispiel, hilft ihnen da entscheiden zu können, was ist jetzt wichtig, was ist dringend, was kann ich vielleicht noch auf die lange Bank schieben. Das hilft eben, die Inhalte ein bisschen auseinanderzunehmen und eben auch nicht irgendwo sich dann blockiert zu fühlen, dass man nicht weiss, wo den ersten Schritt machen.
Claudia:
[40:51] Ja, absolut.
Daniel:
[40:52] Oder eben auch die eigene Leistungskurve zu analysieren. Wir arbeiten da auch mit Tests, die Ihnen helfen zu erkennen, wo habe ich meine Stärken, wo habe ich eher ein bisschen das Down und da ist vielleicht dann wichtig zu wissen, dass ich da dann nicht irgendwo kopflastig unterwegs bin oder eben auch mit Mindmap. Oder auch mit den ganzen Kompetenzen rund um das Feedback geben, das auch ganz wichtig ist, dann auch im Austausch wieder mit den Lehrpersonen. Das sind alles verschiedene Themen, mit denen wir Ihnen den Weg eigentlich bereiten wollen, um dann eben im Blended Learning erfolgreich unterwegs sein zu können.
Claudia:
[41:30] Okay, klingt für mich super spannend.
Daniel:
[41:32] Wir haben wirklich gemerkt, das darf man nicht unterschätzen. Das zeigen auch Studien, dass das ganz wichtig ist, dass die sogenannte Selbstwirksamkeit von Studierenden, dass die wirklich entscheidend ist. Wenn ich mich in der Lage fühle, dass ich das schaffen kann, dann bin ich gut. Aber wenn ich irgendwo das Gefühl habe, ja, das habe ich früher nicht geschafft und werde ich auch jetzt nicht schaffen, dann fehlt ein wichtiges Element, um ein Studium wie bei uns an der sfb erfolgreich meistern zu können.
Claudia:
[42:01] Und ich glaube, mit diesen Glaubenssätzen sind viele von uns unterwegs aus vorherigen Lernerfahrungen. Und das ist schon auch ein bisschen, wie soll ich sagen, es ist auch schon eine kleine Herausforderung, sich damit zu beschäftigen und hinzugucken und die eigenen Lernkompetenzen überhaupt mal zu analysieren und dann zu gucken, was kann ich denn tun, um da eben vielleicht auch ein bisschen besser zu werden. Nicht im Sinne von besser, sondern wie kann ich es mir leichter machen zu lernen. Also das ist ja, glaube ich, das große Ziel, warum wir das in jedem Kontext, aber ihr eben, Daniel, auch in eurem Kontext eben macht. Und ich finde es toll, dass ihr diese Angebote für die Studierenden macht, dass sie da selber sich ein Stück weit prüfen können und weiterentwickeln können. Jetzt haben wir so ein bisschen über die Lehrpersonen und wir haben über die Studierenden gesprochen. Das heißt so, das sind die beiden Zielgruppen, die ihr habt. Und wir haben ein bisschen über die Lernformen gesprochen, die bei euch zum, oder Lernformen, die zum Einsatz kommen, wie ihr diesen Mix eben gestaltet.
Claudia:
[43:03] Und was eben eine Rolle spielte, war eben diese Selbstlerneinheiten, über die habt ihr beide jetzt schon öfters gesprochen.
Claudia:
[43:11] Und jetzt wäre es für mich, glaube ich, nochmal ganz interessant zu erfahren, auch wenn ihr das eine oder andere schon ein bisschen angerissen habt, aber jetzt nochmal wirklich explizit hinzugucken, wie habt ihr das dann gemacht? Wie habt ihr diese Selbstlerneinheiten konzipiert, nehme ich an? Da haben wir eben schon ein bisschen gehört, dass die Lehrpersonen euch quasi ihr Wissen in, ich sage jetzt mal pauschal Dokumenten, das wird es glaube ich auch so treffen, zur Verfügung gestellt haben unter Anleitung. Dafür war dieser rote Faden zum Beispiel, wie sollen sie vorgehen? Da gab es Fragen, die noch beantwortet worden sind, um eben anders als in der Präsenzveranstaltung, wo ich viele Schleifen drehen kann, immer wieder zurückkommen kann, alles irgendwie auf der Tonspur erklären kann, sondern jetzt wirklich gebündelt zur Verfügung stellen kann für Menschen, die sie nicht selber sind, aber die daraus die Lerneinheiten konzipieren und erstellen am Ende. Und Christian nickt jetzt schon so intensiv und Christian, ich nehme an, dass da, glaube ich, dein Teil und Corinnas Anteil ein relativ großer war, vermute ich mal, in der Begleitung dieser Umsetzung und der Produktion dieser Lerneinheiten. Und ich denke, dass es interessant wäre, davon noch ein bisschen mehr für unsere Hörerinnen und Hörer darzustellen.
Christian:
[44:27] Ja, gerne. Die Erstellung dieser Selbsteinheiten hat ganz viele Akteure, die daran beteiligt sind. Und ich möchte jetzt aber auf den Kern schauen. Ich will einfach noch andeuten, da gibt es davor schon Prozesse intern bei der sfb, welche Inhalte werden überhaupt wohin überführt und so weiter. Da kann vielleicht dann auch Daniel noch was dazu sagen.
Claudia:
[44:49] Ja, unbedingt.
Christian:
[44:49] Aber es geht dann halt wirklich konkret darum, okay, wir haben dieses Thema in diesem Fach, das wollen wir jetzt überführen. Wer ist Fachautor? Fachautor finden, instruieren, Konzeption machen. Das sind wir jetzt vorher schon drauf eingegangen.
Claudia:
[45:03] Genau.
Christian:
[45:03] Auch dieses Konzept steht meistens nicht einfach im ersten Wurf, sondern gibt es mehrere Überarbeitungsschleifen oder auch so mal hin und her. Vor allem dann Daniel, der dafür zuständig ist. Früher waren das auch Corinna und ich, die diese Aufgabe noch gemacht haben. Ja, und dann steht das Konzept. Und dann sind vielleicht auch noch Mediendateien, also vor allem sind das oft Bilder, Grafiken, vielleicht auch noch Links auf Videos oder eigene Videos, sind dann ready. Und dann produzieren wir das. Das machen wir mit Articulate RISE. Das ist das Tool, worauf sich die sfb auch schon bevor wir dazu kamen, eigentlich geeinigt hatte. Und wir setzen das dort um und dann gestaltet man das. Und das ist dann halt wirklich ein Produktionsprozess, wo wir die Inhalte in der Reihenfolge einfüllen, wo wir Einstellungen vornehmen müssen, wo wir schauen, ob das dann auch technisch klappt, sich abspielen lässt, schauen, dass es gut aussieht, dass die Gestaltungsrichtlinien eingehalten werden und so weiter. Es steht dann mal eine erste Version. Das wird immer intern zuerst noch geprüft, die Qualität. Und dann geht es zurück an den Fachautor, der das eigentlich reviewen muss. Das heißt, wirklich korrigieren muss, schauen muss, es ist so umgesetzt, wie ich das richtig sehe, wie ich das konzipiert habe. Gibt es irgendwo noch Fehler, Dinge, die nicht klappen, wir kriegen Feedback, überarbeiten das, machen eine zweite Runde Review, kriegen vielleicht nochmal Feedbacks und dann gibt es diese sogenannte finale Version.
Christian:
[46:31] Die wir dann weitergeben und die dann auch intern bei der sfb noch abgenommen werden muss. Vielleicht noch mal Feedback gibt von den Lehrgangs-Verantwortlichen. Ja, und wenn das durch ist, dann ist die Produktion ready und kann publiziert werden. Und dann ist das dann, manchmal geht das in zwei oder drei Wochen, mehr von der Länge her. Es ist nicht zwei Wochen, das zu produzieren. Das ist deutlich kürzer, aber es braucht auch Abstimmungszeit immer zwischendurch. Manchmal zieht sich das aber auch über zwei Monate, bis sowas steht. Ich habe mich jetzt da vorher nicht im Detail informiert. Vielleicht hast du es im Blick, Daniel. Aber wir sind, wenn ich richtig das schätze, schon weit über 150 Produktionen jetzt insgesamt seit Start von dem. Also das ist wirklich, da wurde sehr, sehr viel Selbstlernmaterial produziert.
Claudia:
[47:23] Wow, das klingt viel. Das klingt echt viel. Super.
Daniel:
[47:28] Ja, mit jedem Semester seit Herbst 2024 haben wir über 30 sogenannte Selbstlern-Einheiten in den Lehrplan integrieren können. Also ja, wie du sagst, da sind wir bei gut 150 Einheiten angelangt. Das sind fast 600 Lektionen, die wir da quasi ausgelagert haben im Selbstlernen. Ja, das sind einige Schultage, die dann quasi nicht mehr in den Schulungsräumen oder irgendwo online mit der Lehrperson zusammen verbracht werden, sondern die Studentin eben weiterentwickelt. Am Arbeitsplatz, im Schwimmbad, meistens aber auch zu Hause. Das haben eben auch die unzähligen Interviews ergeben, die wir auch führen, begleitend eigentlich zum ganzen Prozess, dass wir da wirklich auch nah an unseren Studierenden dranbleiben wollen. Da befragen wir sie immer auch wieder, wie es ihnen geht, wo sie ein bisschen die Pains und die Gains sehen.
Claudia:
[48:23] Das war übrigens eine Frage, die ich auch dir jetzt gerne noch gestellt hatte. Du bist mir schon ein bisschen zuvor gekommen. Fragt ihr denn nach Feedback auch eure Studierenden sozusagen?
Daniel:
[48:33] Das ist uns ganz wichtig, dass wir da wirklich sehr nahe an den Bedürfnissen auch bleiben, dass wir da wirklich ein Produkt erarbeiten, das Sinn macht, dass das dann auch ihnen hilft in ihrer Ausbildung. Nicht zuletzt ist es ja auch eine Investition, die sie tätigen müssen. Das ist ja nicht eine kostenlose Ausbildung, sondern die bedingt sehr große Aufwände und auch Verzicht von den Studierenden, die das Geld vielleicht auch andersweitig ausgeben möchten. Aber das ist uns wichtig, dass wir da wirklich sehr nah an ihnen bleiben. Und da haben wir das auch institutionalisiert mit verschiedenen Fragerunden, die wir immer wieder auch aufgreifen. Und lustigerweise hat sich da auch ergeben, dass das Unterwegs-Lernen für sie eigentlich nicht unbedingt das wichtigste Element ist, die lernen sehr gerne dann einfach auch wirklich zu Hause. Die haben sich zu Hause eingerichtet und haben dann wirklich dort ihre Lernumgebung auch so gestaltet, dass sie das Mobiltelefon weit weglegen, damit sie nicht abgelenkt sind und sich dann wirklich auch so konzentrieren können und irgendwo nicht die Möglichkeiten nutzen, die sie eigentlich auch könnten. Weil das Angebot ist wirklich auch device-unabhängig. Sie könnten auch unterwegs im Zug, in der S-Bahn, auf dem Handy, können Sie Ihre Inhalte auch lesen. Aber da habe ich jetzt gemerkt aus den Gesprächen, dass Sie da wirklich so die Lernumgebung zu Hause favorisieren.
Claudia:
[49:58] Das finde ich sehr interessant. Ein bisschen überraschend für mich zumindest, muss ich sagen. Weil ich immer so dachte, okay, dieses Selbstlernen gibt natürlich auch eine große Unabhängigkeit vom Ort des Lernens und damit eben auch für längere Zugfahrten, Busfahrten, was auch immer, Zeiten auf Ämtern, die man vielleicht mit Warten verbringt, immer die Chance, das auch ein bisschen für was Sinnvolles zu nutzen sozusagen. War so meine Fantasie tatsächlich, aber du sagst, das ist gar nicht so die Präferenz.
Daniel:
[50:30] Ja, es war auch die Annahme der sfb zu Beginn, dass wir da ein Produkt entwickeln wollen, das eben diese Möglichkeiten bietet. Viele unserer Studierenden sind da auch mit dem eigenen Auto unterwegs. Es sind also weniger auch Pendler. Die arbeiten manchmal auch nicht unbedingt immer in den Zentren, sondern die Firmen oder auch die Fabriken, in denen sie tätig sind, sind vielleicht ein bisschen in der Agglomeration draußen. Dann haben sie vielleicht auch unterschiedliche Arbeitszeiten, die dann auch eben eher das Auto als Arbeitsweg vorgeben. Also das haben wir gemerkt, dass das nicht unbedingt für sie das Killerkriterium Nummer eins ist, dass sie dann im Zug etwas vorbereiten können.
Claudia:
[51:09] Okay, verstehe, absolut. Okay, aber sehr interessant. Jetzt habt ihr, das, was du schon jetzt dargestellt hast, Daniel, hat ja schon so ein bisschen was mit.
Claudia:
[51:17] Learnings zu tun, die ihr gesammelt habt. Also ihr habt über die Lehrpersonen und der Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen schon ein bisschen, auch Christian vorhin erzählt, was waren so Learnings, was brauchten sie, um ihren Job eben vielleicht auch leichter, aber eben auch besser machen zu können. Du hast ein bisschen über die Bedürfnisse der Studierenden jetzt gerade schon eben gesprochen, Daniel. Und deswegen würde ich jetzt mal so ganz groß diese Frage in den Raum stellen. Was waren eure Learnings, die ihr in dieser Konzeption, in den Phasen, wo konzeptioniert wurde, in der Phase, wo ihr Lehrpersonen befähigt habt, in der Phase, wo produziert wurde, in den Phasen, wo es Feedback gab, wo der ganz normale Produktionsprozess einfach auch schon angelaufen war. Was habt ihr so ein Feedback bekommen und welche Learnings habt ihr gesammelt?
Daniel:
[52:06] Ich denke, von der Erfahrung, die ich jetzt überblicken kann, es ist ein gutes Jahr bei der sfb, sehe ich, dass wirklich die Kommunikation ein sehr entscheidendes Moment darstellt. Einerseits mit den Lehrpersonen.
Daniel:
[52:22] Lehrpersonen haben natürlich schon auch gemerkt, ich habe ja dann weniger Unterrichtseinheiten, die ich selber begleiten kann, sondern ich gebe ja dann was ab. Das führt dann dazu, dass ich vielleicht irgendwo auch unsicher bin. Sind die Studenten dann wirklich damit beschäftigt? Haben sie es gelöst, wenn sie dann wiederkommen? Verliere ich meine Studierenden auf ihrer Ausbildung? Dass sie da irgendwo vielleicht dann auch disziplinarisch irgendwo nicht mehr greifbar sind? Das sind sicher Themen, die wir dann kommunikativ auch auffangen mussten. Und auf der Seite der Studierenden auch die Kommunikation an ihre Selbstverantwortung. Das ist wirklich auch für mich eine Erkenntnis, das ist nicht einfach gegeben, dass die dann einfach selbstmotiviert wissen, okay, jetzt muss ich mich da selber drum kümmern, sondern da muss man sie schon auch begleiten und ihnen auch aufzeigen, hey, das Lehnen ist in erster Linie deine Verantwortung. Bieten dir die Möglichkeiten, wir bieten dir Inhalte, aber der Antrieb, der muss von dir kommen. Und das hat schon auch bei manchen vielleicht einen Aha-Effekt gebraucht, um das zu verstehen, die vielleicht sich gedacht haben, ich bring doch irgendwo das Geld, ich bezahle den Kurs, also gib mir das Zertifikat. Aber dass da eine Lernleistung dazwischen liegt, war nicht immer so ganz klar.
Claudia:
[53:40] Nein, ganz überraschend, dass da eine Lernleistung dazwischen liegt. Okay, Christian, was magst du denn zu sagen?
Christian:
[53:46] Ich würde das Lernen innerhalb unseres Projektes halt jetzt mal betonen, weil ich auch gar nicht nah an den Studierenden dran bin. Ich höre, dass dann jeweils von Daniel, was da für Erkenntnisse sind oder auch an den Lehrpersonen nur begrenzt, vielleicht mal mit Fachautoren zu tun habe. Aber ich finde natürlich schon, was die sfb sich da vorgenommen hat und was sie da angegangen ist, das ist eine Riesensache. Das ist wirklich eine Riesensache. Man denkt sich vielleicht so ein bisschen Lehrmaterial zusammenzustellen, das gut zu gestalten und dann zur Verfügung zu stellen. ja, das macht man mal so schnell, aber, diesem Umfang, wie die sfb das macht und auch braucht und natürlich auch mit dem Qualitätsbewusstsein, das die Schule mitbringt und auch möchte, geht das einfach nicht mal so so, sondern das war wirklich ein intensiver Prozess zwischen der sfb und auch uns und auch bei der sfb intern und natürlich auch bei uns zum Teil so interne Learnings, bis dieser Factory mal stand. Ich konzentriere mich jetzt einfach mal nur auf diese Selbstlerneinheiten, weil wir da halt sehr zentral beteiligt sind, bis die Prozesse funktioniert haben. Es brauchte ja viel Klärung auf beiden Seiten, viel Kommunikation, wie es Daniel schon gesagt hat, das ist ein Herzstück. Immer wieder auch Feedbackschleifen, also nach jedem Semester sitzen wir auch zusammen am Schauen, was hat gut geklappt, wo müssen wir Stellschrauben ziehen.
Christian:
[55:09] Das ist auch harte Prozessarbeit, Organisationsarbeit teilweise, wirklich auch Managementarbeit, dass das in diesen Größenordnung einfach durchgeht und klappt und dann auch viel einfach Zusatzenergie, die auf beiden Seiten, ich will da die SRP mal rausnehmen also die Lehrgangsverantwortliche, die haben dann teilweise Zeiten, wo sie halt, ja ich sage jetzt mal ein bisschen länger arbeiten als ihre 8,4 Stunden am Tag, einfach weil es drängt und weil sie noch Dinge freigeben müssen oder noch ein Feedback geben müssen und das gibt es an ganz vielen verschiedenen Stellen von verschiedenen Akteuren. Was man auch nicht unterschätzen darf, ist wirklich die technische Dimension. Also dass diese Selbstseinheiten dann nachher laufen, obwohl das jetzt nicht das, elaborierteste Tool ist, mit dem wir produzieren, sondern eigentlich ein simples und was rausfällt, ist auch relativ einfach, aber dass das trotzdem für in die Systeme reingeht, dort der Zugriff klappt, die Studierenden das von all ihren Endgeräten auch rezipieren können, und so weiter, dass das Feedback von Daten wieder ins System klappt.
Daniel:
[56:18] Also ein hoher Initialaufwand, der nicht zu unterschätzen ist und von manchen dann auch eben in Frage gestellt wird, ja, wieso tut ihr euch das überhaupt dann? Und es hat doch funktioniert vorher. Aber wir sind als Bildungsinstitut überzeugt vom nachhaltigen Erfolg, auch von digitalen Lernmethoden. Und die Kostenvorteile, die steigen dann auch mit der Anzahl Klassen, die dann diese Angebote nutzen. Und das war für uns auch natürlich ein wichtiger Entscheid, dass wir gestartet haben mit den Klassen, die wir eben an vielen Standorten auch führen.
Claudia:
[56:50] Okay, verstehe. Ja, Daniel, du hast eben gesagt, dass es auch unter Umständen infrage gestellt wurde. Wer stellt infrage? Ist das eher in eurer Organisation oder direkt auch ein bisschen grösser gedacht tatsächlich? Magst du dazu nochmal was sagen?
Daniel:
[57:03] Und auch hier habe ich gemerkt, das gibt dann von den Seiten Lehrpersonen Fragezeichen, die natürlich eben ihre Präsenz auch verlieren zu einem bestimmten Anteil. Natürlich sind es wenige Prozent, ich habe ja eingangs gesagt, das sind 10 bis 15 Prozent, aber trotzdem haben da natürlich einige Lehrpersonen schon das Gefühl, ja, das habe ich doch früher selber machen dürfen. Und jetzt wird das mir weggenommen. Aber auch auf der Studierendenseite gibt es schon auch Stimmen, die jetzt in der Übergangsphase natürlich noch im alten Lernkontext gestartet haben. Da war die Lehrperson immer präsent, am Freitag und am Samstag und jetzt plötzlich muss ich am Freitag dann nicht mehr auftauchen in der Schule, sondern muss dann selber was vorbereiten. Das hat schon auch bei einigen ein paar Fragen ausgelöst. Genau, meistens bei denen, die sich eben vielleicht auch schwer tun, sich selber zu motivieren, sich zu organisieren, die vielleicht eben profitiert haben, einfach in die Klasse reinzusitzen und sich zu berieseln von den Inhalten und dann irgendwo so sich durchzumogeln durch den Unterricht.
Claudia:
[58:10] Ich wollte gerade sagen, ob die wirklich profitiert haben, ist die Frage, aber für sich selbst profitiert haben, aber ja, es ist ein anderer Ansatz, definitiv, absolut.
Daniel:
[58:20] Aber wie gesagt, uns ist es wichtig, neben den Inhalten, die Studenten und Studentinnen wirklich auch auf die Arbeitswelt vorzubereiten und ihnen mit der Methodik auch das Selbstlernen, die Kompetenzen des kritischen Denkens auch mitgeben zu können, ihnen wirklich auch aufzuzeigen, dass das Lernen ein lebenslanger Prozess auch ist. Ich denke, heutzutage kann man sich nicht mehr erlauben, nur die Schulzeit als Lernen anzuerkennen und alles andere dann nicht mehr als Lernen zu sehen, sondern das ist für uns ein ganz wichtiger Aspekt auch, den wir eben neben den Fachinhalten eben auch vermitteln wollen.
Christian:
[59:00] Ich möchte vielleicht ganz kurz darauf noch eingehen, auf dieses kritische Moment, das es gibt und noch eine andere Perspektive reinbringen. Was sehr viel dann in solchen Diskussionen nach vorne kommt, ist das Wort Kontrolle.
Christian:
[59:17] Ja, wenn ja die Studierenden alleine lernen, dann sehe ich ja gar nicht mehr, ob sie es machen, was sie machen, was da rauskommt, wie sie es machen und so weiter. Und ich möchte einfach einbringen, dass Kontrolle eine Illusion ist im Lernumfeld. Weil Lernen immer, auch wenn die Leute zusammensitzen, natürlich im Individuum ja stattfindet. Das eigentliche Lernen jetzt für das Individuum findet halt, ist nicht sichtbar von außen. Natürlich kann man über Sprache dann versuchen, ja, was hast du jetzt und so weiter, aber was gelernt wird, wie gelernt wird, ist wie so eine Blackbox, das wissen wir auch aus der Lernforschung, klar, Psychologische Pädagogik schaut da dann genau rein, aber im Lernmoment, in Lernsituationen, gerade im Klassenraum, hat auch der Dozent das nicht im Griff. Es kann sogar sein, dass sich 20 Gesichter ihn anschauen und trotzdem weiß er nicht, ob fünf davon gerade an Fußball denken und fünf andere sich über seine Nasenhaare vielleicht irgendwie nachdenken oder solche Dinge. Nein, ich will einfach zeigen, das Kontrollthema, das hier da ist und das viele Lehrpersonen auch sehen, wenn sie das Gefühl haben, jetzt habe ich ja die Klasse hier, jetzt weiß ich, ich habe es mal gesagt, sie müssen es eigentlich wissen, aber das bedingt halt noch nicht, dass dann wirklich auch Lernen stattgefunden hat.
Claudia:
[1:00:33] Es ist eine Illusion, glaube ich.
Christian:
[1:00:35] Genau, ist da eine Illusion und sich da auch davon zu lösen oder die Verantwortung zurückzugeben, wie Daniel jetzt schon gut erklärt hat und die Studierenden auch dazu zu befähigen. Das finde ich eigentlich sehr erwachsenengerecht und auch fortschrittlich.
Christian:
[1:00:49] Wie es Daniel gesagt hat.
Christian:
[1:00:50] Gerade im Arbeitskontext, wo ja eben diese Kontrolle auch nicht ständig da ist, um sie auch da vorzubereiten.
Claudia:
[1:00:56] Das ist ein guter Schritt in die berufliche Zukunftsrichtung, würde ich sagen. Also ein wichtiger Schritt, den ihr auf der Metaebene, Daniel, einfach mit bedient. Also dieses Befähigen für die Zukunft der eigenen Arbeitswelt, das finde ich einen sehr guten und wichtigen Ansatz tatsächlich. Fragt ihr denn auch selber, es interessiert mich jetzt einfach, fragt ihr denn auch die Studierenden, was sie über ihr Lernen gelernt haben? Gehört das mit dazu oder ist es eher, dass ihr die Ergebnisse sprechen lasst sozusagen?
Daniel:
[1:01:25] Institutionalisiert holen wir wirklich die Feedbacks ab zur Qualität des Unterrichts, zur Qualität der Unterlagen. So eine Selbstreflexion haben wir nicht jetzt in einem Fragebogen irgendwo wirklich institutionalisiert, dass wir das abholen könnten. Aber es wäre eine gute Frage, die ich mir sicher so notiere, um dann auch nachzugehen.
Claudia:
[1:01:47] Ja, das ist so ein Gedanke, den ich jetzt hatte, tatsächlich. Entschuldigung, ich habe dich unterbrochen, Daniel.
Daniel:
[1:01:52] Ja, ich wollte noch einen Punkt ergänzen. Auch in der Rolle der Lehrperson sehen wir natürlich mit der Einführung von digitalen Lernmethoden eine Veränderung. Der Lehrer, der klassische, der sieht sich irgendwo immer im Zentrum der Wissensvermittlung und dieses didaktische Dreieck von Thema, Student und Lehrperson, das verändert sich natürlich auch. Und ich denke, mit dem Loslassen der Kontrolle der vermeintlichen verändert sich dann auch die Rolle der Lehrperson, dass sie dann eben nicht mehr sich als einzige wahrhaftige Instanz sieht in der Vermittlung von Wissen, sondern das Wissen, das wird andersweitig transferiert. Und der Student muss dann eher begleitet werden in diesem Lernprozess. Und das ist, denke ich, auch eine wichtige Erkenntnis in solchen Transformationen, dass da die Lehrpersonen eben auch einen Change durchmachen müssen, dass sie sich eben auch dazu bereit erklären müssen. Und da haben wir auch mit einigen Lehrpersonen Diskussionen führen müssen, die da eben vielleicht diese Bereitschaft nicht aufbringen können oder wollen, und so dann auch nicht mehr in dieses Lernsetting passen.
Claudia:
[1:03:03] Okay, aber das verstehe ich, dass das natürlich eine Herausforderung ist, dieses ich unterrichte Stoff, ich bin die Wissensquelle und ich werde zum Lernbegleiter. Das ist ja eine ganz andere Rolle sozusagen, die jemand wahrnehmen muss und ausfüllen muss, der in so einem Lernsetting dann funktioniert. Eben zum Beispiel mit den Fragen und Feedbacks arbeitet, die die Studierenden sich selber generiert haben über die Selbstlernphasen zum Beispiel und über das Selbststudium. Und das ist eine Rollenveränderung. Und das heißt, da muss wahrscheinlich der ein oder andere sich damit auch auseinandersetzen. Das ist mir schon absolut nachvollziehbar.
Daniel:
[1:03:42] Und wir dürfen nicht vergessen, als höhere Fachschule sind wir auf Lehrpersonen aus der Praxis angewiesen. Also das sind nicht geschulte Didaktiker von der Pike auf, sondern die sind Fachleute in ihren Themen und die kriegen dann bei uns ein didaktisches Rüstzeug mit, aber das ist nicht die Tiefe, die ein Dozent mitbringt, der eben auch in Didaktik/Pädagogik Ausbildungen schon vorweisen kann. Also das ist wirklich auch eine Gratwanderung auch und wir versuchen da diese Lehrpersonen auf diesem Weg auch zu unterstützen und ihnen auch mit anderen Gefäßen in offenen Weiterbildungen das eine oder andere mitgeben zu können, das sie verwenden können für ihren Unterricht. Das ist, wie gesagt, sehr wichtig auch auf dieser Transformationsetappe, die wir da miteinander gehen.
Claudia:
[1:04:35] Okay. Gut, also ich glaube, ich habe eine ganze Menge Learnings rausgehört aus dem, was ihr mit mir geteilt habt. Habt ihr noch was, wo ihr sagt, das gehört unbedingt noch mit dazu?
Christian:
[1:04:47] Ich möchte einfach nochmal herausheben, dass dieses Projekt, das für uns ist, für tts seit zwei Jahren läuft, für die sfb selber schon ein bisschen länger und für Daniel ist seit einem Jahr.
Christian:
[1:04:58] Dass das einfach toll war von der Zusammenarbeit her, jetzt in alle Richtungen. Natürlich gab es auch mal Konflikte, das ist normal, weil verschiedene Interessen und Perspektiven aufeinandertreffen und es auch darum geht, das auszuhandeln. Aber gerade dieser Wert darauf, von beiden Seiten von tts wie auch von der sfb dieses Projekt konstruktiv und pragmatisch vorwärts zu bringen, hat mega geholfen, dass wir einfach immer Lösungen gefunden haben für all die Probleme, die aufgetaucht sind. Weil das wirklich nichts ist, was man einfach am Anfang einen Plan hat und den man sich vornehmen kann. Und dann läuft man los und dann klappt alles und dann erreicht man sein Ziel, wie es vorgesehen ist, sondern da kommen dann plötzlich Fragen auf und Widerstände und Hindernisse und neue Lösungen. Plötzlich etwas, was schwierig schien am Anfang, klappt super. Und etwas, was einfach schien, hat plötzlich Hindernisse, die sich im Weg tun. Und das schätze ich unglaublich an diesem Projekt, diese super Zusammenarbeit, diese Dialogbereitschaft, auf beiden Seiten, dieses Arbeiten auf Augenhöhe, auch das Ernstnehmen von uns, einfach um das noch jetzt mal als Spezialthema auszuklammern oder zu beleuchten, das Ernstnehmen von uns ist nicht nur als Produzenten von E-Learning, sondern wir beraten dann wirklich auch didaktisch, auch makrodidaktisch, also auch für die Organisation.
Christian:
[1:06:21] Wo sind da Stellschrauben, die ihnen helfen können. Wir beraten, die sfb entscheiden natürlich selber, was sie dann macht, aber wir werden angehört und das wird ernst genommen, was wir reinbringen. Das fand ich wirklich toll und immer noch freue mich auf weitere tolle Zusammenarbeit. Nicht wahr, Daniel? Wie siehst du das?
Daniel:
[1:06:41] Vielen Dank, Christian, für deine Worte. Ich bin ja auch in diese Rolle, reingekommen und habe enorm auch profitiert von euch, von eurer Expertise und dadurch, dass ihr das Projekt schon vor mir auch begleitet habt, habt ihr mir da eine Menge auch mitgeben können, die mir geholfen hat, mich zu orientieren und wir sind, wie gesagt, in einem sehr engen Austausch, also wir sind wöchentlich in Kontakt und wenn es nötig ist auch zusätzlich noch mit Austausch. Und ich weiss, die Fachautoren, die Inhalte liefern, die sind in guten Händen dann, wenn es um die Umsetzung geht, bei den Medienautoren vom Team von Christian und von Corinna. Und das ist eine sehr wertvolle Erfahrung auch. Ich gebe da meine loben Worte sehr gerne auch so zurück.
Claudia:
[1:07:27] Es ist sehr schön, euch beiden zuzuhören. Und es freut mich, dass ihr beide so ein großes Lächeln gerade auf dem Gesicht habt. Zumindest ich kann euch ja sehen jetzt in diesem Podcast-Recording. Ich glaube, es ist jetzt ein guter Punkt, uns vielleicht so langsam in Richtung Ende unserer Episode zu bewegen. Aber vielleicht noch mal geschaut oder gefragt, wie geht es denn jetzt weiter? Also wir haben jetzt ganz viel gehört über das, wie ihr gearbeitet habt, was ihr gearbeitet habt, über Herausforderungen, über Learnings haben wir was gehört, über Schritte auf dem Weg, ganz viel und jetzt ist meine Frage natürlich,
Claudia:
[1:08:00] ja, gut, und wie geht es jetzt weiter?
Daniel:
[1:08:03] Ich habe gesagt, die SFP ist eine Schule, die Wirtschaft und auch Technologie vermittelt. Und der Hauptfokus bis jetzt war vor allem in den wirtschaftlich orientierten Fächern. Das sind so die grossen Zugpferde auch unserer Schule mit sehr vielen Klassen. Und jetzt geht es in den nächsten Semestern darum, auch die kleineren Lehrgänge, beispielsweise Maschinenbau oder Gebäudeautomatik, dass wir die auch zunehmend digitalisieren wollen. Da werden wir weiterhin auch auf die Zusammenarbeit mit der tts setzen und dort auch Wege finden, wie können wir in diesem Setting auch wieder das Optimum herausholen. Das Setting ist insofern anders, als wir hier eben nicht über ein grosses Heer von potenziellen Fachautoren verfügen, sondern es gibt einige wenige Lehrpersonen, die da wirklich zum Teil in der ganzen Schweiz unterwegs sind mit ihrem Fachwissen an der Schule. Und ob wir die dann noch zusätzlich binden können mit Fachautorenaufträgen, muss sich erst weisen. Vielleicht müssen wir dort andere Wege beschreiten. Vielleicht müssen wir dort auch das Konzept uns neu überlegen, um da die digitalen Lernmittel wirklich auch aufbereiten zu können. Also das wird eine nächste spannende Etappe, die wir da gemeinsam angehen wollen. Gleichzeitig aber auch von den Erfahrungen profitieren, Ja, profitieren, die wir zunehmend auch gewinnen können von den Studenten, von den Studentinnen, von den Lehrpersonen.
Daniel:
[1:09:30] Da wirklich den Weg auch fortzusetzen in der Verstärkung auch der Selbstlernen und der Medienkompetenz bei den Studenten, aber eben auch im sich verändernden Rollenverständnis der Lehrpersonen.
Claudia:
[1:09:42] Sehr gut. Das klingt nach einem guten Plan für die Zukunft. Christian, was magst du noch hinzufügen?
Christian:
[1:09:53] Ich kann mich da nur anschließen, dass ein großer Teil dieses Projektes umgesetzt ist, aber natürlich läuft das weiter im Sinn von, dass man jetzt vielleicht auch mal überlegt, wie man das selbst dann auch anders gestalten kann als mit diesen Produktionen, die wir bis jetzt gemacht haben und wir da auch unterstützen, beraterisch, didaktisch beraten oder mit Ideen. Ich meine, auch wir machen ja bei tts für Anerkunden nicht nur diese E-Learnings, sondern auch andere Formate. Und ganz ehrlich, es gibt dann immer wieder zu tun, sei es auf technischer Seite, sei es, dass man in drei, vier Jahren mal wieder eine Einheit anfassen muss, weil sie einfach überholt ist oder Inhalte sich geändert haben. Also da werden wir dranbleiben und wir haben jetzt so eine vertrauensvolle, gut eingespielte Zusammenarbeit. Das, was auch immer kommt, wir regeln das schon.
Claudia:
[1:10:45] Sehr schön. Das klingt eigentlich nach einem total schönen Schlusswort. Ihr regelt das schon, finde ich sehr schön. Finde ich auch eine sehr gute Prämisse für Zusammenarbeit.
Claudia:
[1:10:59] Ich wollte euch eigentlich jetzt nach so einem Schlusswort fragen, aber eigentlich habe ich jetzt so ein ganz mega perfektes Schlusswort bekommen und ich glaube, wenn ihr einverstanden seid, dann würde ich das dabei auch bewenden lassen und hoffe einfach, dass unsere Zuhörenden, egal aus welcher Branche, mit welchem Interesse sie sozusagen der heutigen Episode gelauscht haben, eine ganze Menge Anregungen bekommen konnten, wie eben so klassische, traditionelle Präsenzlernangebote, die es in vielen Kontexten immer noch gibt und die teilweise auch außerhalb der Hochschule, auch in unseren.
Claudia:
[1:11:36] Unternehmen, Organisationen, in denen ich sehr viel meine, das bestmögliche Lernangebot für die Lernenden ist und insofern hoffe ich dass jeder, der zugehört hat, hoffentlich ein paar Ideen und Inspirationen bekommen hat und vielleicht ja auch tatsächlich in eurem Kontext, Daniel, vielleicht war das auch inspirierend für andere Ausbildungsorte, Hochschulen, Fachschulen, die was Ähnliches tun wie ihr und die vielleicht daraus auch Ideen und Inspirationen ziehen konnten aus unserem heutigen Gespräch. Und insofern danke ich euch sehr für eure Zeit, ihr zwei, dass ihr heute ein bisschen sprechdenkend eure gemeinsame Zusammenarbeit im Kontext der sfb und dem Blended Learning Projekt oder der Umstellung auf Blended Learning reflektiert habt und eure Gedanken dazu einfach geteilt habt. Und ich sage nochmal herzlichen Dank, dass ihr da wart. Danke für eure Ideen und danke fürs Teilen davon.
Christian:
[1:12:34] Danke dir, liebe Claudia. Und danke auch dir, Daniel. Hat mir Spaß gemacht, diesen Dialog. Und ich finde es cool, wenn wir wieder mal sprechen würden.
Daniel:
[1:12:42] Vielen Dank auch für die Möglichkeit heute.
Claudia:
[1:12:45] Ja, super. Sehr gerne. Ich freue mich, dass ihr da wart. Und ihr da draußen, danke fürs Zuhören. Und schön, dass ihr wieder mit dabei wart. Und gebt uns gerne Feedback, wie immer. Wir freuen uns. Und vor allen Dingen meine beiden Gesprächspartner werden sich freuen über Feedback. Also schreibt uns auf welchem Kanal auch immer und ansonsten bis bald und bis zur nächsten LERNLUST. Macht's gut.
Christian:
[1:13:08] Ciao, ciao.
Daniel:
[1:13:10] Tschüss.
Outrotext:
[1:13:17] Ach, übrigens, habt ihr uns eigentlich schon abonniert? Das geht überall da, wo ihr eure Podcasts am liebsten hört. Wir, die Hosts des Podcasts Susanne und Claudia, wir sind natürlich auf LinkedIn, auf Twitter oder auch auf Mastodon erreichbar. Und wenn ihr lieber mit unserem Podcast selber interagiert, das geht auf Mastodon direkt. Und natürlich könnt ihr uns euer Feedback, eure Anregungen, euer Lob und eure Verbesserungsvorschläge auch direkt auf Podigy schreiben. Also, wir hören uns in der nächsten LERNLUST.
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