Krankenhauszukunftsgesetz: Update für die digitale Patientenversorgung

Update für die digitale Patientenversorgung

Damit Krankenhäuser digitaler werden, stellen Bund und Länder im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) Fördermittel in Milliardenhöhe bereit. Für deutsche Kliniken ist die finanzielle Hilfe eine einmalige Chance. Der dringend erforderliche Digitalisierungsschub könnte allerdings dennoch ausbleiben, wenn das Klinikpersonal die neuen Lösungen nicht annimmt oder nicht qualifiziert nutzen kann. Und genau hier gibt es ein Problem.

Auch wenn Deutschland lange Zeit vergleichsweise gut durch die Covid-19-Pandemie gekommen ist, zeigt jeder weitere Krisentag besonders bei hohen Infektionszahlen, wie groß die Defizite im hiesigen Gesundheitswesen tatsächlich sind. Es gibt keine flächendeckende digitale Infrastruktur, an vielen Stellen fehlen wertvolle Informationen. Infektionsketten liesen sich nur schwer nachverfolgen, auch die Terminvergabe für Schutzimpfungen lief holprig an. Gleichzeitig kümmern sich auch jetzt noch Klinikärzt:innen und Pflegekräfte bis an die Belastungsgrenze um ihre Patient:innen und kämpfen dabei ständig gegen die Zeit, weil sie von analogen Prozessen, veralteter Technik und unnötigem Mehraufwand ausgebremst werden.

Das hat im Regelbetrieb vielleicht noch einigermaßen funktioniert – in einer Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie zeigt sich jedoch schnell, dass der jahrelange Innovationsstau in Unikliniken und Krankenhäusern auch ein gesamtgesellschaftliches Risiko darstellt.  

Staatliche Hilfe für die Digitalisierung von Kliniken

Im Rahmen des „Zukunftsprogramms Krankenhäuser“ und ergänzend zum Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG), stellten Bund und Länder insgesamt 4,3 Milliarden Euro an Fördermitteln für die Modernisierung der Krankenhäuser zur Verfügung, die Anfang 2021 abgerufen werden konnten. Förderfähig sind gemäß dem KHZG und der dazugehörigen Förderrichtlinie in erster Instanz Vorhaben, die zu einer Erhöhung der Behandlungssicherheit beitragen, den sektorübergreifenden Wissenstransfer fördern und eine umfassende Versorgung entlang der sogenannten „Patient Journey“ ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen zum Ausbau von modernen Notfallkapazitäten oder zur Erhöhung der IT-Sicherheit oder auch der Aufbau telemedizinischer Netzwerke für den Wissensaustausch zwischen Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen.

Große Chance, riesige Herausforderung

Kliniken und Fachleute im ganzen Land sehen in der Krankenhausstrukturfonds-Verordnung dank der hohen finanziellen Fördermittel eine historische Chance, das deutsche Gesundheitssystem in relativ kurzer Zeit fit für die Zukunft zu machen. Gleichzeitig stellen der Umfang und der enge Zeitrahmen die Krankenhäuser im Land aber auch vor eine historische Aufgabe, die nicht wenige überfordert.

So suchen Krankenhäuser laut einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfergesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhausinstituts DKI aus dem Jahr 2019 händeringend nach Fachpersonal für die Krankenhaus-IT. Dieser Bedarf steigt noch einmal sprunghaft an, wenn zeitnah in ganz Deutschland auf einen Schlag alle durch das KHZG geförderten Digitalisierungsprojekte durchgeführt werden. Aber schon jetzt kann jedes zweite Krankenhaus offene IT-Stellen nicht besetzten.

Die nächste Herausforderung besteht darin, die Krankenhausmitarbeitenden in den Fach- und Funktionsbereichen abzuholen und mitzunehmen. Doch auch hier bieten die aktuellen Zahlen wenig Anlass für Optimismus: Mehr als die Hälfte der befragten Häuser sieht bei den hier beschäftigten Mitarbeitenden eine mangelnde Akzeptanz für die Digitalisierung. Zwei Drittel der Kliniken gehen davon aus, dass das vorhandene informationstechnische Know-how für die geplanten Vorhaben nicht ausreicht.

User Adoption wird zum erfolgskritischen Faktor

Auch der Bundesregierung sind diese Zahlen bekannt. Deshalb werden neben der Beschaffung von Hard- und Software auch die Kosten für die Implementierung, das Change Management und die Schulung von Mitarbeitenden vollständig gefördert. Für die Projektverantwortlichen in den Kliniken bedeutet das, dass sie die zukünftigen Nutzer:innen der neuen Lösungen frühzeitig einbeziehen und systematisch auf die damit verbundenen Prozessänderungen im Krankenhausalltag vorbereiten können. Und das ist einer der zentralen Erfolgsfaktoren für eine gelungene Systemeinführung.

Dass Implementierungen nicht immer so verlaufen, wie geplant, zeigt nämlich eine Gartner Studie. Diese kommt zu dem Schluss, dass 50 bis 75 Prozent aller ERP-Einführungen hinter den Erwartungen zurückbleiben oder gar scheitern. Und für Unternehmen sind die Folgen dann in erster Linie teuer.


Was ist User Adoption?

User Adoption ist ein Prozess im Rahmen der Neueinführung einer Software, um die Nutzer mithilfe verschiedener Change-Maßnahmen – beispielsweise durch Trainings oder eine Unterstützung im Arbeitskontext – mit neuen Anwendungen oder Funktionen vertraut zu machen und ihnen zu helfen, das neue System möglichst souverän zu nutzen. Als Teil des Change Managements ist der gezielte Aufbau von User Adoption die Voraussetzung dafür, dass eine Organisation die mit einem Implementierungsprojekt verknüpften Ziele tatsächlich erreicht, weil die Anwender:innen mit zunehmender User Adoption nicht nur die Potenziale der neuen IT-Lösung erkennen, sondern auch die damit verbundenen Veränderungen akzeptieren.


Erfolgreiche User Adoption wird damit zum kritischen Faktor der geplanten Digitalisierung, weil sie die betroffenen Mitarbeiter:innen beteiligt und sie im Idealfall zu Verbündeten macht, die den anstehenden Wandel aktiv unterstützen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe, denn mit einer zunehmenden User Adoption wächst auch das Verständnis für die Ursachen und Ziele der geplanten Neuerungen. Das wiederum hilft den Mitarbeitenden, zu verstehen, welche Vorteile die neue Lösung für die Patient:innen, die Kolleg:innen und für sie selbst hat. Die Folgen sind

  • bessere Akzeptanz von Veränderungen von Prozessen, Arbeitsweisen und Rollen
  • größere Motivation der Anwender:innen, alle wichtigen Funktionalitäten der neuen Lösung kennenzulernen und zu nutzen
  • weniger Fehlbedienungen und damit geringere Risiken für das Wohl der Patient:innen und den Krankenhausbetrieb
  • weniger Supportanfragen und damit eine Entlastung des IT-Teams

Mitarbeitende benötigen kontinuierliche Unterstützung

Die genannten Vorteile zeigen, dass User Adoption kein Nice-to-have ist, auf das man notfalls verzichten kann, wenn Zeit oder Budget es nicht hergeben. Sie ist ein zentraler Hebel, der darüber entscheidet, wie groß der Nutzen einer digitalen Lösung am Ende tatsächlich ist. Dazu darf das Konzept User Adoption allerdings nicht mit einem Mitarbeiter:innengespräch und einer anschließenden Schulung der Erstanwender:innen verwechselt werden. Der Aufbau von Nutzer:innenakzeptanz ist kein Sprint, sondern ein Marathon, es ist ein Prozess, der die Mitarbeitenden vor, während und nach dem Go-live kontinuierlich unterstützt.

Hierfür sind gerade im hektischen Krankenhausalltag sogenannte Digital Adoption Solutions besonders geeignet. Im Idealfall bieten sie dem Anwender Unterstützung im konkreten Arbeitskontext, passgenau zugeschnitten auf die jeweilige Rolle. So bekommen Ärzt:innen, Pflegekräfte und Mitarbeitende in der Verwaltung genau die Hilfe, die sie gerade benötigen, damit sie die Systeme ohne weitere Nachfragen mobil oder am Computer sicher und prozesskonform bedienen können. Dadurch lassen sich Präsenztrainings und klassisches Onboarding minimieren. Gleichzeitig kann eine Digital Adoption Solution auch die Patient:innen im krankenhauseigenen Patient:innenportal unterstützen und Ärzt:innen wie Pflegekräfte von zeitraubenden Nachfragen entlasten.

Einige Digital Adoption Solutions wie die tts performance suite bieten nicht nur am Arbeitsplatz kontextsensitive Hilfe, sondern auch am Patientenbett oder bei der Arbeit mit medizinischen Geräten. Genau das macht sie zu wirksamen Therapeutika gegen mangelnde User Adoption in dem groß angelegten Heilsplan von Krankenhausträgern und der Bundesregierung.